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Solve et coagula

Traum vom 1. Mai 2009

Konzentriert bei der Arbeit. Ich sitze in einer rundum verglasten, kleinen Kabine (Kran?) vor einem Schaltpult. Durch betätigen der Hebel, Schalter und Tasten manage ich alle Aktivitäten, die von hier aus vorgenommen werden können: Aufträge bearbeiten, Kontakte pflegen, Organisatorisches, Amtskram, Schreibarbeiten, und dergleichen. Dank eines oder mehreren langen Greifarmen, ist mir ein großzügiger Aktionsradius gewährt. Da so in die Arbeit vertieft, bemerke ich erst nach einer Verzögerung – so meine Vermutung – dass schräg rechts, auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Unglück geschehen ist. Von der ersten Etage eines Kaufhauses ist das Geländer eines sehr langen Balkons heraus gebrochen und auf den Bürgersteig gestürzt. In mir bahnt sich ein Katastrophengefühl an… An diesem späten Vormittag ist die beste Geschäftszeit, und reichlich Passanten verkehren dort, da unter dem Balkon ein Haupteingangsbereich liegt. Hoffentlich wurde niemand von dem Metallgeländer erschlagen oder gar darunter begraben!

Ich eile hinüber, stehe direkt im Eingangsbereich des Kaufhauses und traue meinen Augen kaum… Von einem abgebrochenen, herab gestürzten Balkongeländer ist hier nichts zu sehen; nicht die leiseste Spur! Okay, es ist Dämmerung, nicht unbedingt eine klare Sicht möglich, aber ein solches Ereignis hinterließe doch sichtbare Spuren?

Inzwischen ist es Zeit, Moina abzuholen. Sie ist heute direkt nach dem Kindergarten mit zu einer Freundin gegangen. Es ist höchste Zeit, dass ich mich wieder um mein Kind kümmere. Doch zuvor laufe ich noch zu dem Transporter eines mir bekannten Handwerkers. Sein Fahrzeug steht direkt vor Böhmers Haus, das seit unzähligen Jahren verlassen liegt. Im Hintergrund des Fahrzeugs das Michaelis Grundstück, das ein weites, fast unendlich und verlassen wirkendes Feld darstellt. Ich öffne die Seitentür des alten Transporters und lege etwas gehetzt den mit Lösungsmittel getränkten Putzlappen hinein. Doch soll ich wirklich die Türe schließen? Es könnte sein, dass die Ausdünstungen des Lappens in einem geschlossenen Raum eine Verpuffung oder Explosion auslösen?! Ich lasse die Tür lieber offen stehen; und gehe dann unbesorgt meines Weges.

Schnell ist das Haus erreicht, in dem die Familie von Moinas Freundin lebt. Ein gemütliches Haus im dänischen Stil. Ich durchquere einen kleinen Verbindungsraum, der vor der Küche liegt und im weiteren Verlauf ins Kinderzimmer führt. Links auf der Kommode liegen ein paar Rollen transparente Klebestreifen. Ohne darüber nachzudenken, nehme ich diese und lasse sie in meine bis jetzt leere Tasche fallen. Doch im nächsten Moment…Was habe ich getan?! Oh Schreck! Das ist Diebstahl! Dabei brauche ich diese Klebestreifen gar nicht! Schnell lege ich sie zurück auf die Kommode. Die Kinder spielen ganz versunken miteinander. Ich tätschele den Kopf von Moinas Freundin und frage, ob sie uns auch einmal besuchen möchte. Diese Frage kommt von Herzen, aber die Idee dazu wurde von meinem schlechten Gewissen geboren, weil ich Moina so lange hier ließ.

Gemeinsam mit Moina gehe ich zum Transporter auf dem Lande zurück. Inzwischen ist es einige Stunden her, dass ich den Putzlappen hierher brachte. Alle Türen des Transporters sind weit aufgeschlagen. Die Türinnenseiten sind mit Holzfächern ausgekleidet, die reichlich mit Handwerksmaterial gefüllt sind. Man könnte meinen, ein fliegender Händler zeige seine komplette Auslage! Oje, hier wurde zwischenzeitlich ja wohl nichts geklaut? Ich klettere in den Transporter hinein… eine heimelige Werkzeugkammer auf Rädern. Allerhand leere Blechbüchsen sind mit Pinseln, Kleinteilen, Lappen und Werkzeug befüllt. Es gibt sogar eine kleine Werkbank in der Mitte. Alles ist so reichlich bestückt, dass kaum vorstellbar ist, dass hier etwas fehlt.

Ein Mann kommt hinzu – ein Kumpel des Handwerkers. Er macht mir Vorwürfe: „Du spinnst ja wohl, das Fahrzeug unbeaufsichtigt mit offenen Türen stehen zu lassen!! Es hätte alles weg sein können!“
Er tritt an einen kleinen alten Hängeschrank und lässt die flache Hand über die Oberfläche der Schiebetür gleiten… „Hier fehlt etwas!“ stellt er fest. Tatsächlich… die Oberfläche ist mit einer dicken Klebeschicht überzogen. Diese Klebeschicht wird einer uns nicht bekannten Sache ja mal Halt gegeben haben. Der Mann zieht die Finger mit etwas Druck über die Klebemasse. Die Klebemasse ist weich, aber es ist zu erkennen, sie wird nur unter großem Aufwand zu entfernen sein. So schlage ich dem Mann vor: „Hänge doch ein Stück Tafel hin!“
„Tafel? Warum?“ fragt er verstört.
„Na, du könntest zum Beispiel beim Werkeln dort Maße notieren, oder fehlendes Material, Termine, To-dos oder so.“ Ich habe direkt ein Bild vor Augen, wie die Zahlen mit Kreide auf der grünen Oberfläche notiert werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sozusagen: man spart sich die Zeit, die das Säubern der Oberfläche beanspruchte und nutzt gleichzeitig das Vorhandene, um ganz schnell eine praktische Sache anzubringen. Ich finde, das ist eine echt gute Idee.

Dann verlassen wir den Transporter. Ich verschließe die Tür mit dem Vorhängeschloss vom Gartenhäuschen und mit dem Schlüssel zum Gartentor.

Traumpfade: Spontane Assoziation = Traumtitel
Tabula Smaragdina

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