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Och, mein Babylein…

Traum vom 30. April 2009

Anlässlich einer Messe ist die Stadt voller Pilger. Ein junges Paar spricht mich an, ob ich einen Platz für eine Nacht weiß. Ich überlege kurz… Ja, vielleicht bei den Älteren? „Ich frage, einen Moment!“ Die Ältere ist einverstanden. Ich kehre zu dem Paar zurück und sage: „Ihr könnt bei den Älteren schlafen. Ich darf doch DU sagen?!“ Da wir eh bald gemeinsam am Frühstückstisch sitzen werden, finde ich das angemessen. Der junge Mann offenbar weniger; er ignoriert meine Frage, fordert kühl und sachlich weitere Informationen zur kommenden Nacht.

Ich gehe, aus einer zentralen Halle kommend, in einen Schlafsaal hinüber. Dieser Schlafsaal ähnelt einer Herberge in Roncesvalles, wie sie hier abgebildet ist. Eigentlich bin ich hier nur eingetreten, um mit Valerian zu sprechen, der sich gerade auf eines dieser einfachen Betten setzt. Ich entdecke ihn, und – zu meiner großen Überraschung – auch den Käpt’n. Der Käpt’n kommt mit ausgestreckter Hand auf mich zu und begrüßt mich mit neckenden Worten, denen ich entnehmen kann, dass Valerian ihm einiges von dem erzählt haben muss, das ich ihm kürzlich anvertraute. Das ist mir etwas unangenehm. Ich stürme mit wild wedelnden Armen und grimmig verzerrtem Gesicht – absichtlich theatralisch – auf ihn zu und schimpfe: „Valerian, du grrräßliche Trrrrratschtante!!“ Er weicht aus, ich laufe ihm hinterher, der Käpt’n schaut unserem Treiben amüsiert zu. Ja, so ist das.

Valerian grenzt sich mit ausgestreckten Handflächen von mir ab und wechselt dann mit dem Käpt’n in einen ruhiger liegenden, kleineren Schlafraum. In der Mitte des Raumes stehen vier Pritschen nebeneinander. Valerian legt sich hin, auf die außen stehende Pritsche. Ich möchte zu ihm unter die graubraune wollene Decke schlüpfen, doch Valerian liegt total schräg. Mit dem Kopf viel tiefer als mit den Füßen. Ich schüttele den Kopf und sage: „Nein, so kann ich mich nicht zu dir legen. Das hält man ja im Kopf nicht aus!“ Valerian findet meine Ansprüche übertrieben, ist nicht bereit, seine Position zu wechseln. Er bräuchte sich ja nur anders herum auf die Pritsche legen, aber nein. Lieber wechselt er auf eine Pritsche, die mit dem Kopfende zur Wand steht, und neben der noch eine weitere Pritsche steht, so dass beide zusammen fast an ein Ehebett denken lassen. Auf der zweiten Pritsche wird der Käpt’n nächtigen.

Valerian ist total eingeschnappt, rollt sich auf der Seite liegend etwas zusammen. Neckend, fast stichelnd sage ich zu ihm: „Och… mein Babylein…“ Das kränkt ihn sehr, vor allem wegen des Käpt’ns Gegenwart. Der Käpt’n schaut zu und schmunzelt, ohne ein Wort zu sagen. Mir ist es jetzt etwas peinlich, dass mir dieses „Babylein“ herausgerutscht ist. Das ist einerseits ziemlich böse gewesen, auf der anderen Seite habe ich damit etwas verraten, was ich selbst gar nicht ansehen möchte… Gleichzeitig nehme ich aber eine Veränderung wahr, die in Valerians Innern abläuft. Es scheint mir ein wichtiger Prozess zu sein und so überwinde ich mich, und bleibe meiner Linie treu; sage noch einmal: „Och, mein Babylein.“ Dabei spüre ich ein leichtes Widerstreben aus Schamgefühl. Valerian sträubt sich, seiner Körper spannt sich etwas an, als ich ihn nun mit meinen Armen sanft umschließe; ihn bei den Schultern mit dem linken Arm und am Po mit dem rechten Arm umschließend. Ich schmiege mich an ihn, wiege ihn langsam in meinen Armen und spüre, dass er weich wird, den Tränen nahe ist. Ich wiege ihn mit einer Art Mutterliebe in meinen Armen. Er beginnt zu weinen, lässt sich vertrauensvoll in meine Arme fallen. Ich spüre die erlösende Wirkung, die seinen Körper entspannt. Bin nun erleichtert, weil ja nicht sicher war, ob dies der richtige Weg ist. Zum Glück, eine gute Entwicklung.

Mein Blick fällt wieder auf den Käpt’n , der neben seinem Bett steht, nervös an einer Zigarette zieht und völlig gedankenabwesend in eine nicht vorhandene Ferne blickt. Vielleicht war ihm das alles zu viel Gefühl und auf diese Weise konnte er dem ausweichen. Eine solche Reaktion habe ich damals in ROW bereits an ihm beobachtet.

Es ist an der Zeit, zu schauen, wie es den beiden jungen Leuten geht. Da ich ihnen die Schlafunterkunft vermittelte, fühle ich mich für deren Wohlergehen ein wenig verantwortlich. Ich bin im Begriff, die Herberge durch einen abseits gelegenen Seiteneingang zu verlassen. Beim Übertreten der Türschwelle bietet mir eine Griechin eine Zigarette an, die ich spontan annehme. Kurz bin ich versucht, mir diese anzuzünden, so sehr bin ich davon überrumpelt. Doch die Zigarette ist am vorderen Drittel von einen großen Fleck frischen Buchbinderleims durchtränkt. Könnte es nicht sein, dass beim Anzünden die ganze Zigarette in Flammen aufgeht? Man könnte das betroffene Stückchen Zigarettenpapier ausreißen. Doch eigentlich will ich gar nicht rauchen. Entschlossen richte ich den Blick auf den Weg. Das junge Paar ist mit allem zufrieden.

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