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Begegnungen auf dem Jakobsweg

Traum vom 29. April 2009

An dem langen Tisch im kleinen Speiseraum sind fast alle Plätze besetzt, als Mike, Moina und ich dort eintreffen. Eine Gruppe unterschiedlicher Menschen, die hier zum Essen zusammenkommen – Pilger auf dem Jakobsweg. Wir finden noch Platz am Tisch. Ich setze mich, nachdem ich eine Tasche vom Stuhl genommen habe, die dem Mann gehört, der links gegenüber sitzt. Ursprünglich hatte er sich wohl auf diesen Platz setzen wollen, hatte deshalb die Tasche hier zurückgelassen. Er merkt auf, als ich seine Tasche unter den Tisch stelle; aber es ist okay.

Später, der erwähnte Mann will aufbrechen, hält nach seiner Tasche Ausschau. Unter dem Tisch ist sie nicht. Ich ziehe sie hinter meinem Rücken hervor… hatte mit einer Pobacke auf seiner Tasche gesessen und es nicht bemerkt. Peinlich! Ich reiche ihm die Tasche zu. Eine Tasche aus hellem Canvas, die Fotoapparat und Filmkamera beherbergt. Ich tue so, als habe ich gar nicht auf der Tasche gesessen und hoffe, dass er es nicht bemerkt hat. Dumdidum. Er nimmt die Tasche entgegen, bleibt aber sitzen und schaut unablässig zu mir her. Das verunsichert mich und ich schließe die Augen, stütze den Kopf auf den linken Arm und lächele sanft. Anfangs als Ausweichmanöver gedacht, spüre ich sofort die entspannende Wirkung, die das Lächeln und die geschlossenen Augen auslösen. Ich spüre seinen Blick… Kann das sein? Kurz öffne ich meine Augen einen Spalt und… tatsächlich, er sitzt dort und betrachtet mich lächelnd. Aha, lächelnd also. Dann steht er auf, wir wechseln die Plätze. Ich setze mich auf seinen Platz und er setzt sich – entgegen meiner Erwartung; ich dachte doch, er wolle gehen – auf meinen Stuhl. Wieder schließe ich die Augen und dümpele innerlich mit stumm ziehenden Gedanken; lächelnd. Es verunsichert mich nach wie vor, dass er mich die ganze Zeit mit einem Lächeln beobachtet. Da ist es mit geschlossenen Augen am besten.

Irgendwann steht er auf, packt seine Foto- und Filmausrüstung, greift seinen Wanderstock aus einem Stück knorrigen Holz, lächelt mir zu. Rechts von mir steht eine Studentin auf. Eine hochgewachsene junge Frau mit langen hellblonden Haaren, die ganz glatt fallen. Sie ist mit einer wichtigen Abschlussarbeit beschäftigt. In ihren Händen ein aufgeschlagener großer Leitz-Ordner. Etwas ist ihr unklar und sie richtet eine Frage an die Runde: „Angenommen, in Oberwiesenthal beträgt der Luftdruck 1400 hPa. Wenn der Luftdruck nun rasch auf 1000 hPa fällt, gibt es in Passau dann ein Gewitter?“ Oder spricht sie sogar von 1800 hPa? Hm, ich kenne mich damit nicht so gut aus. Ich frage mich allerdings, ob im Sommer – so wie jetzt – eine Wetterlage mit solchem Luftdruck überhaupt möglich ist. Löst ein so hoher Luftdruck nicht winterliche Kälte aus? Alle am Tisch überlegen… dabei entsteht eine ganz dichte, gemeinschaftliche Stimmung, die ein angenehm aufgehobenes Gefühl entstehen lässt.

Traumpfad: Wegzeiten

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