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Feudales Ereignis

Traum vom 24. Februar 2010

Personen:
Traum-Ich
, 48, weiblich, will mit der Bahn an einen vertrauten Ort zurück fahren. Sie geht ganz selbstverständlich davon aus, so wie immer am richtigen Bahnhof zu sein.

Bahnbeamter, Mitte 50, von recht großer Gestalt, leichter Bauchansatz, behäbiger Charakter, gewissenhaft, zurückhaltend und hilfsbereit. Die schlichte dunkelblaue Uniform verleiht ihm eine äußere Kompetenz, der er sicherlich gerecht wird.

Alter Kaukasier, Mitte 70, in sich ruhend, gegerbte Haut mit leichter Tönung, schwarzgrauer Vollbart, gepflegt; trägt ein muslimisches Gewand aus hellen Stoffen, so als sei er auf dem Weg zum Gebet. Seine dunklen Augen strahlen lebendig.(Vor zwölf Tagen tauchte er zum ersten Mal im Traum auf)

Fahrgäste / Pendler die vor dem Fahrkartenautomat Schlange stehen. Alle Geschäftsleute mittleren Alters, tragen leichte farblose Staubmäntel, ihre Gesichter wirken müde vom täglichen Einerlei, die Haut ganz blass, abwesend wirkende Blicke

Ort des Traumgeschehens: an einem beliebigen Alltag im Bahnhofsgebäude einer mittelgroßen Stadt; in der Bahnhofsvorhalle. Diese betritt man durch einen Seiteneingang ähnlich wie an der Bremer Bürgerweide – Glastüren, die sich automatisch öffnen und schließen. Es gibt hier zwei Fahrkartenautomaten. Der erste steht, wenn man eintritt, links und wird durch einen Tresen ergänzt, hinter dem der Bahnbeamte steht und das Kommen und Gehen beobachtet, und für Informationen zur Verfügung steht. Der Bahnbeamte wirkt wie ein Bestandteil des Fahrkartenautomaten. Am dem Eingang gegenüber liegenden Ende befindet sich ein weiterer Fahrkartenautomat in der Ecke. Dieser Automat steht vor einer Wand, die gleichzeitig durchlässig ist, so dass man das Gewirbel auf der anderen Seite sehen kann. Dort befindet sich die Zentrale, von der aus alle Betriebsabläufe gesteuert werden. Es gibt einen Tresen, der nur in besonderen Fällen mit einer Servicekraft besetzt ist. Heute nicht. Weiter nach links, schon außerhalb des Sichtfeldes, führt ein Durchgang zu den Gleisen.

Traumhandlung:
Wie schon einige Male zuvor in den letzten Wochen oder Monaten, eile ich zu dem Fahrkartenautomaten an der linken Seite, um mir rasch eine (Rück-)Fahrkarte zu ziehen. Ich warte bis die beiden Fahrgäste, die vor mir da waren, ihre Karte gezogen haben, gebe dann das Fahrziel per Tastendruck am Automaten ein, ohne mir weiter Gedanken darüber zu machen – es ist ja ein vertrauter Vorgang. Dabei registriere ich beiläufig den Bahnbeamten hinter dem Tresen, der ungerührt den Abläufen zuschaut. Der Automat rattert leise, ich bücke mich, nehme den frisch ausgedruckten Fahrvertrag samt Durchschlag aus dem Schlitz und werfe einen Blick auf den Text, um mich zu vergewissern, das richtige Fahrziel gewählt zu haben. Oups! Es werden 32,50 Euro für die Fahrkarte berechnet! Oh, da stimmt etwas nicht! Ich lese nochmal alles konzentrierter durch, versuche das angegebene Fahrziel zu entdecken – ohne Erfolg. Ein erneuter Blick zu dem Automaten, auf dessen Vorderfront die Fahrziele samt Kennnummern gelistet sind… Mein Ziel ist nicht im Angebot? Auch die Gebietsnummern 36 und 50 sind nicht zu entdecken. Merkwürdig… Ein weiterer Blick auf den Vertrag… Hm, die Zugnummer lautet 995 – ich bin mir aber nicht sicher, ob die Nummer so lauten muss, und ob diese Nummer wirklich auf dem Vertrag steht. Eines aber weiß ich ganz sicher: Der Fahrpreis lag bisher immer bei 12,50 Euro – wenn der aktuelle Fahrpreis damit nicht annähernd übereinstimmt, kann meine Wahl nicht richtig sein!

Mir wird bewusst, dass ich den ganzen Verkehr aufhalte – hinter mir stehen einige Fahrgäste, die ebenfalls noch eine Karte ziehen wollen. Ich trete zwei Schritte vom Automaten zurück und rufe den anderen ungeduldig und unwirsch zu: „Los, los! Weiter! Weitermachen!!“ Dann versuche ich von hier aus zu erkennen, welche Kombinationen von Fahrzielen der Automat zulässt und ob sie mich zurück bringen. Meine Bemühungen sind erfolglos. Nun drängt die Zeit, der Zug müsste gleich abfahren! Klar, ich könnte mir jetzt diese Karte für über 30 Euro ziehen und losfahren, nur bin ich nicht bereit, diesen Preis zu zahlen – schon gar nicht, wenn es in die falsche Richtung geht. Ah, da hinten gibt es ja noch einen Automaten! Sehe ich erst jetzt. Mal sehen… Hm, nee… auch der Automat bietet nichts, was sich mit meinen bisherigen Erfahrungen beim Fahrkartenkauf deckt. Es gibt noch nicht einmal eine Fahrkarte für einen Preis um zehn Euro. Das gibt’s doch gar nicht! In mir macht sich völlige Ratlosigkeit breit…

Da tritt der Bahnbeamte hinter seinem Schalter hervor, kommt mir entgegen und überlegt laut: „Sie könnten im Auto einer unserer Chauffeure mitfahren; wenn ein Platz frei ist.“
Ah, okay… ein etwas ungewöhnliches Angebot, das mich nachdenklich stimmt, aber… warum eigentlich nicht. Der Beamte denkt kurz nach und schränkt ein: „Ich will erstmal schauen! Falls die Fahrt nämlich zu einem feudalen Ereignis geht, sollten Sie es sein lassen. Zu gefährlich!“
Verstehe. Wenn hochkarätige Persönlichkeiten chauffiert werden ist die Gefahr eines verübten Attentats natürlich besonders groß. Na gut, es ist okay – es muss ja auch nicht sein.

Ich stehe dann fast mitten in der kleinen Vorhalle. Vor mir das helle Rechteck der Eingangstüren. Davor die Schlange stehenden Fahrgäste, schweigend. Der alte Kaukasier kommt mit einem Male hinzu, setzt sich – ein oder zwei Schritte links von mir – im Schneidersitz auf den Boden. Etwas schwerfällig sind seine Bewegungen, was aber nicht ungelenk wirkt, sondern vielmehr den Eindruck von Bedachtsamkeit hinterlässt. Also, wenn ich das so sehe… ein Attentat… vielleicht wird die Gefahr einfach überschätzt? Ist doch alles ganz friedlich hier?!

Traumpfad: Gestern ist mir der Begriff ‘Feudel’ nach langer Zeit mal wieder zu Augen gekommen. Dieser Traum scheint perfekt mein Leben zwischen Feudel und feudaler Attitüde wiederzuspiegeln.

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