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Braunschweiger Leben um 1860

Traum vom 23. April 2009

Ich blättere in einem eindrucksvollen Bildband (Querformat). Es dauert eine ganze Weile, bis ich begreife, was ich als so besonders an diesen Bildern erlebe. Ich erkenne es erst, als ich Vorher-Nachher Aufnahmen entdecke, die zeigen, wie diese Momentaufnahmen, wie diese Szenarien entstanden sind. Es sind gleichzeitig Originalaufnahmen und Nachbildungen aus dieser Zeit und diesem Leben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Vorher-Aufnahmen zeigen: kleine Mürbeteigstückchen, die hier und da in der kleinen Kulisse – ähnlich einer Krippe und einem Puppenhaus – abgelegt wurden. Diese kleinen Mürbeteigstückchen sind noch völlig ungeformt, nehmen aber den Platz ein, den das daraus Geformte letztendlich bekommen soll. Bereits in diesen ungeformten Stücken lässt sich vage erkennen, für welche Form sie vorgesehen sind – es schimmert irgendwie durch: Es sind Gegenstände aus der guten Stube, oder Ahnen, die ihren Platz einnehmen, manchmal auch spezielle Möbelstücke oder einfach nur Haare oder Stroh. Beispielsweise zeigt ein Photo die gute Stube der Moorbauern-Familie. Eine Holzwiege wurde mit Stroh (hier natürlich aus Mürbeteig nachgebildet) gefüllt und der seinerzeit pflegebedürftige Großvater darin gebettet. So stand er in der guten Stube, und wer gerade dort war, konnte sich um ihn kümmern.

Beachtlich, wie sauber und detailliert die Haare und jeder Strohhalm nachgeformt sind. Das Photo zeigt: Eine Frau tritt gerade in das Zimmer. Sie trägt einen Dutt, und eine dunkle Schürze, um ihr gutes, sorgfältig geplättetes Sonntagskleid zu schützen, das sie extra für diese Aufnahmen angezogen hat. Das Kleid hat einen Stehkragen, ist im Bereich der Kehle mit einer Brosche, einem Medaillon verziert. In den Händen hält sie eine dickbauchige Kaffeekanne. Diese Frau wirkt auf dem Photo fast etwas durchscheinend – so als sei sie durch kaum mehr als eine Bildung rußiger Flecken entstanden. Ich erinnere mich aber an diesen Effekt, der auf vielen alten Photos zu sehen ist, und der dadurch entsteht, dass das im Photo enthaltene Silber oxidiert. Dadurch kann es sein, dass ein Teil der photographierten Personen sich mit der Zeit auflöst – womöglich verschwinden sie irgendwann gänzlich von den Photos.

Hm, mir kommt plötzlich der Gedanke, dass diese Bilder das Leben in Braunschweig zeigen. Wie komme ich nur auf Braunschweig? Gehört Braunschweig eigentlich zum Hannoverschen?
Rätselhaft, dass mir Braunschweig und Hannover in den Sinn kommen, denn ich kann mich an keine nennenswerte Verbindung zu diesen Städten erinnern.

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