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Beduinenfrau kennt abgründige Wege und Geheimnisse

Traum vom 22. April 2009

Wir fahren mit dem Auto durch lichte Dunkelheit. Mike sitzt am Steuer. Die breite Straße führt durch die Wüste. Derzeit finden sehr tief greifende Straßenbauarbeiten statt. Das heißt, über die gesamte Strecke wurde die Fahrbahndecke entfernt und der Untergrund sehr tief ausgeschachtet. So tief, dass sich die Sicht in den dunklen Abgründen verliert. Um weiterhin den Weg durch die Wüste zu ermöglichen, wurde rechts neben dem Abgrund ein schmaler Fahrstreifen aus einigen Holzlatten, teilweise aus körnigem Sand errichtet. Eine sehr schmale Fahrspur, die nicht einmal so breit wie ein gewöhnlicher Gehsteig ist.

Mike fährt entspannt und lässig. Schaut gar nicht auf den Weg, sondern nach links aus dem Fenster, um vielleicht etwas Interessantes in den Abgründen der Baustelle zu entdecken. Dabei kommen wir von der Fahrspur ab, das Auto kippt bedenklich nach links in Richtung Abgrund. Ich sage mir: ‘Ruhe bewahren und ein vorbildlicher Beifahrer sein – ich will ihn ja nicht stressen.’ Aber der Wagen kippt immer weiter. Angestrengt schweigend, verlagere ich meinen Körper so weit als möglich nach rechts, um einen Ausgleich zu schaffen. Als ich schon gar nicht mehr darauf zu hoffen wage, fängt sich unser Auto doch noch. Nun bleibt auch Raum dafür, die Aufmerksamkeit an den Rand der Baustelle zu lenken. Der Straßenrand ist von vielen Bauarbeitern gesäumt. Teils sind es Südländer – eher schmale, aber sehr muskulöse Männer, die von Ruß und Schweiß bedeckt sind, teils sind es Beduinen in schwarzen Djellabas. Sie strahlen eine starke und zielstrebige Energie aus. Es ist eindeutig, die wissen sehr genau, was sie tun und sie tun es gut.

Nun ist bald das Ende der Wüstenstraße erreicht. Es gibt ein kurzes Stück mit starkem Gefälle und wir gelangen an eine Tür. Es ist eine Feuerschutztür. Unverschlossen; wir öffnen sie, und eine nach oben führende Treppe erscheint. Sonderbar, dass diese eine Tür zur Abgrenzung braucht…Wir nehmen diesen Weg, überqueren dann sozusagen den geschaffenen tiefen Abgrund, um auf der anderen Straßenseite erneut an eine Feuerschutztür zu gelangen, die wiederum ohne Schlüssel zu öffnen ist und zu einer Treppe führt, die uns hinab gelangen lässt. Diese beiden Türen ähneln einander. Bemerkenswert ist die Beduinenfrau mit dunklen Augen, die lautlos vor den Türen vorüber schreitet, einen schweigenden Blick zu uns wirft. Sie kennt all die Wege und Geheimnisse. Der Stoff ihrer schwarzen Djellaba umwogt sie. Sie trägt ein weißes Unterkopftuch und erinnert dadurch vage an eine Nonne. Ein gutes Zeichen, ihr zu begegnen – wir sind auf dem richtigen Weg.

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