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Aufgeblasene Großmudder

Traum vom 21. April 2009

Früher Morgen. Es sind diese Minuten, da mir sehr bewusst ist, dass ich nicht immer in Frankfurt gelebt habe. Ja, dass ich mich hier eigentlich noch ziemlich fremd fühle. Gleichzeitig genieße ich den Ortswechsel, diese Veränderung. Ich stehe draußen vor einem Haus, am Rande einer noch ruhig daliegenden Hauptverkehrsstraße und telefoniere mit meiner alten Schulfreundin Doris. Wir tauschen uns über unser Befinden aus. Unser Gespräch plätschert angenehm dahin.

Allerdings kommt es mir bald so vor, als werde unsere Verbindung immer dünner. Ich kann sie kaum noch verstehen. Gerade sind wir dabei, einen Termin für ihren Besuch bei mir zu vereinbaren. Das will ich nun aber genau wissen und so erlebe ich es als ziemlich anstrengend, immer ganz genau hinhören zu müssen, weil Doris’ Stimme nur ganz leise ankommt. Dass ich anstelle eines Telefonhörers ein breites Polster – wie von einer Couch die Rückenlehne, aus altrosa Velours – in den Händen halte und immer wieder hinein horche, ist nichts Besonderes. Außerdem geht es im Augenblick ja auch um den genauen Termin. Obwohl ich nun mehrfach nach dem Zeitpunkt ihres Kommens fragte, geht Doris nicht darauf ein. Sie ignoriert meine Frage. Irgendwann frustriert mich das so sehr – ich fühle mich regelrecht blockiert – dass ich auflege. Sie möchte nicht, dass ich auflege, also tue ich es nicht. Da höre ich, wie jemand zu Doris ins Zimmer kommt, und Doris spricht zu dieser Person: „Ich wollte Dich nicht wecken, darum habe ich ganz leise gesprochen.“ Ah so, ihre Schwester Änne… damit erklärt sich einiges.

Während dieses unbefriedigenden Telefonats habe ich mich um 180° gedreht – den Blick von der Straße weg hin zur Hauswand. Mudder Schomoker tritt aus dem Haus, will mir das altrosa Sitzpolster entreißen! Ich weiß auch warum: Sie möchte nicht, dass es jemand sieht und mich dann für verrückt hält, weil ich mit einem altrosa Polster spreche. Ja, hört Mudder Schomoker denn Doris’ Stimme nicht? Natürlich gebe ich das große Kissen nicht her; wäre ja noch schöner! Ich bin etwas empört darüber, dass sie derart übergriffig wird.

Im nächten Augenblick stehen wir einige Schritte weiter vor dem Holzzaun ihres kleinen Bauerngartens. Mudder Schomoker – ich erlebe sie nun als meine Schwiegermutter – wünscht sich, von mir umarmt zu werden. Rein äußerlich sieht diese alte Mutter aber wie meine Großmutter aus; allerdings doppelt umfangreich als tatsächlich je gewesen. Natürlich umarme ich sie. Ich umarme sie ganz vorsichtig, bald herzlicher, streichele ihre Arme und beginne sie hin und her zu wiegen. Dabei spüre ich ihren strammen Körper, der sich prall wie eine fest aufgeblasene Luftmatratze anfühlt. Irgendwann sagt sie tief berührt: „Das tut so gut!“ Ihre offenen Worte berühren mich, denn bisher sprachen wir nie über unsere Gefühle.

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