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Mein Name ist Hase

Traum vom 27. Februar 2010

Ein größerer Raum. Links an der Wand ein kleines Beistelltischchen. Ein langer Tresen verläuft in bogenartigem Schwung durch den ganzen Raum, kein Ende in Sicht. Ich stehe über das kleine Tischchen gebeugt und notiere auf einem Zettelchen mit roter Tinte die Kontaktdaten von Heini Linkshänder. Als ich die Telefonnummer schreibe, bin ich regelrecht versucht, die Nummern in einem Datumsformat aufzuteilen; halte aber inne und sage zu Heini, der nur zwei Schritte weiter seine Jacke ablegt: „Nun hätte ich fast dein Geburtsdatum verraten!“ Der Zettel mit der Adresse ist nämlich für den Käpt’n gedacht und nicht für mich. Heini lacht kurz und trocken auf: „Das lass mal lieber sein!“

Am Kopfende des Tresens sitzt Amy. Sie sitzt gerade bei der Buchhaltung oder einer Bestellung. Heini setzt sich über Eck zu ihr. Als ich zu ihnen trete, bemerke ich sofort, dass einige Joghurtdeckel am Boden, um ihren Barhocker – übrigens ein Barhocker, der den Worpsweder Stühlen nachempfunden ist – verstreut liegen. Alle weisen mit der unbedruckten Aluseite nach oben. Einen dieser Deckel hat Amy sogar absichtlich über ein Hockerbein gespießt; wohl um sicher zu gehen, dass wenigstens dieser Deckel nicht abhanden kommt. „Na, das will ich mal in Ordnung bringen“ sage ich zu Amy und sammele die Deckel ein. Schnell getan. Ich richte mich auf und frage unseren Gast: „Heini, Kaffee… Kuchen…? Ja?“ „Ja, bring mal was.“ meint Heini gutmütig.

Ich entschwinde in angrenzende ungreifbare Räume, löse mich dabei auf. Bei meiner Rückkehr trete ich fließend wieder in Erscheinung und gehe zurück zum Tresen. Inzwischen sind zwei Frauen hinzugekommen. Sie sitzen am Tresen, vor sich ihre weißen Hunde, die kaum größer als kleine Siamkätzchen sind. Unüberlegt, einem Impuls folgend, strecke ich meine rechte Hand – sie ist noch nass vom Abwasch – zu dem weißen Knäuel, das aus dem Augenwinkel wie ein weißes Frotteetuch wirkt. Erst kurz vorm Zugreifen bemerke ich, dass es sich um eines der Hündchen handelt. Vielleicht weil es verwundert seinen Kopf zu mir dreht und mich so drollig anschaut. „Ach wie putzig!“ rufe ich hell begeistert aus. „Oh, was für ein putziges Kerlchen! Den hätte ich fast mit einem Küchentuch verwechselt. Na sowas! – Kaffee…? Kuchen…? Ja?“ Fragend schaue ich die beiden Frauen an, die mir freundlich amüsiert und gut gelaunt zunicken. Okay!

Wieder entschwinde ich körperlos und kehre bald darauf zurück. Zwei weitere Frauen haben am Tresen Platz genommen. Sie haben ihre Hasen dabei. Es sind ganz drollige Hasen mit langen Schlappohren. Wie aus dem Bilderbuch! Ihr leicht gekräuseltes Fell ist von einem herrlichen lichtgebrochenen Weiß und duftet nach frischen Sägespänen. Sie tragen kurze Trägerhöschen aus leichtem blauen Stoff. Vorne am Bund zwei runde Knöpfe. Sie bewegen sich aufrecht und ernsthaft wie Menschenwesen. Eine der Frauen zeigt zum Hasen und sagt: „Schauen Sie mal, der Hase kann mithelfen!“ Tatsächlich bewegt sich der Hase auf den kleinen Holzständer zu, der nahe den beiden Frauen auf dem Tresen steht, bewegt sein langes Schlappohr wie ein Greifwerkzeug und nimmt einen der Kuchenteller an sich. Wow, so eine gut entwickelte Feinmotorik! „Nein, wie ist das goldig! Was für ein goldíges Häschen!“ rufe ich ganz gerührt aus. Das Gesicht des Hasen… sonderbar, der ernste und gewissenhafte Gesichtsausdruck… wie der eines Menschen. Ja, fast möchte ich meinen, eine Ähnlichkeit mit einem vertrauten Menschen im Hasengesicht zu erkennen. Doch dann ist diese Wahrnehmung schon wieder aus dem Bewusstsein entschwunden.

Traumpfad: Beim Aufwachen wird mir klar: Es ist so, als habe sich das, was meine Ähnlichkeit mit meinem Vater ausmacht sich dem Unterscheidendem enthoben und über das Hasengesicht gelegt.

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Eine Antwort zu Mein Name ist Hase

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