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Solitaire mit Visitenkarten

Traum vom 28. Februar 2010

Solitaire. Gespielt wird mit Pik und Herz. Die Auslage stellt sich von Beginn als ziemlich verzwickt dar, denn nur ungerade Zahlen sind aufgedeckt. Keine der begonnenen absteigenden Reihen kann fortgesetzt werden. Der Spieler – Typ ‘vorteilhaft entwickelter Onkel Fritz’, durchscheinende Haut, schmal, empfindsam – zeigt mir die vier oder fünf Karten, die er auf der Hand hat: unter anderem die Visitenkarte von Marion Nordmeyer – Zartbitter – eine weiße Karte mit roter Schrift. Da kommt mir eine Idee! Ich frage den Spieler: „Soll ich Ihnen auch meine Visitenkarte geben?“

„Aber die habe ich schon!“ erwidert er etwas verwundert, nimmt seinen elektronischen Organizer zur Hand, wählt die aktuelle Wochenübersicht und zeigt auf einen Tag in der Wochenmitte. Dort steht hinter dem Symbol „Herrenrose“ (rote Rose mit schwarzen Konturen) mein Name; was bedeutet, dass wir an dem Tag eine Verabredung hatten, zu der ich wohl auch erschienen bin. Hastig erklärt der Spieler, das Rosensymbol stehe natürlich für Herzenstermine; auch wenn wir uns völlig ohne romantische Absichten getroffen habe – es stehen halt nur eine begrenzte Anzahl an Symbolen zur Verfügung. Ah ja. Es verwirrt mich, dass ich mich an die ganze Sache gar nicht erinnern kann. Er wählt meinen Namen durch Berühren des Touchscreen aus, woraufhin meine Visitenkarte erscheint. Mir fällt die Kinnlade runter… eine weiße Karte mit schwarzer Schrift. In großen Lettern steht dort ‘Jeremy Taylor’ Dazu seine Mailadresse und Telefonnummer. Wie konnte es nur zu diesem Irrtum kommen? Wie konnte ich Jeremy Taylor als Namen angeben? Das liegt ja jeder Absicht so fern wie kaum etwas anderes?
Das Solitaire geht es kaum voran – immer noch schwierig.

Inzwischen strömen Gäste herbei. Ich arbeite als Serviererin – schwarzer Rock, schwarze Bluse, weißes Spitzenschürzchen. Planlos, orientierungslos, langsam… ich kriege es nicht auf die Reihe. Keiner meiner Gäste hat sein Essen serviert bekommen, einige noch nicht einmal die Speisekarte. Nun setzen sich zwei weitere Männer in mein Revier. Animustypen. Schnell gebe ich ihnen die braune Kunstledermappe mit der Speisekarte und frage: „Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen?“ Die beiden überlegen kurz und entschließen sich spontan: „Wir nehmen einen Asbach Uralt.“

An der alten Registrierkasse im Halbdunkel. Neben der Kasse an der Wand die Tafeln mit den Getränkepreisen. Mmhmmhmmh… wo zum Himmeldonnerwetter steht hier der Asbach? Mein Blick schweift wiederholt über die Preislisten, ohne dass ich den Asbach gelistet fände. Es ist zum Verzweifeln. Eine Kollegin erscheint, zeigt sich von meiner Verzweiflung kaum berührt, hilft auch nicht und ich sage: „Der Asbach Uralt steht nicht drauf!“ Ein kurzer Blick ihrerseits und sie zeigt auf die Stelle, wo der Asbach steht – eine Tafel mit roter Schrift. Tatsächlich, da ist es. Die Verzweiflung übermannt mich jetzt erst recht, werde ich doch damit konfrontiert, dass ich es nicht sehen konnte, obwohl es ganz normal gelistet ist. Zutiefst aufgewühlt greife ich das Asbachfläschchen und fülle zwei dickwandige Genevergläser mit der schnapsklaren Flüssigkeit. Doch meine Hände zittern so stark, dass ich einen Teil verschütte, die Gläser zu wanken beginnen. Sonderbar, nun sind beide Gläser gefüllt und es ist immer noch etwas in der Asbachflasche. Erst jetzt wird mir bewusst, dass das Asbachfläschchen 6 cl enthält und natürlich 2 cl übrig bleiben, wenn ich zwei Schnapsgläser fülle. Das Papierdeckchen auf dem Silbertablett ist voller klarem Asbach, aber ich werde das jetzt servieren, damit ich mich endlich weiter um die Gäste kümmern kann. Ich fühle mich völlig überfordert, trockene Tränen erstarren im Hals.

Endlich konnte eine der mittleren Herzreihen beim Solitaire weitergeführt werden – als letzte Karte wurde die Herz Drei gelegt.
Draußen, im Dunkel, parkt ein weißes Fahrzeug. Die Motorhaube und Windschutzscheibe sind kaum zu erkennen, so ist es von Menschen umringt. Da entdecke ich, dass Christa in dem Auto sitzt. Sie ist eigens angereist, um mir heute zum Geburtstag zu gratulieren. Eine Überraschung! Während sie auf mich wartet, quatscht sie also mit den Mädels aus der Jugendzeit. Erst nach einer Viertelstunde bemerkt sie, dass ich eingetroffen bin; ist aber im Glauben, dass ich sie noch nicht bemerkt habe. Sie springt aus dem Auto, auf mich zu, kürzt den Weg ab, rammt dabei einen Tisch, auf dem zwei sehr schlanke, mit Wasser gefüllte Vasen aus klarem Glas stehen, die ich kurz vor ihrem Fall auffangen kann. Dann umarmen wir uns und ich erkläre: „Ich sah dich schon vorhin und freute mich. Ja, ich freue mich auch jetzt noch!“ Es ist mir wichtig mitzuteilen, dass meine Freude über den Überraschungsmoment hinaus reicht.

Später gehe ich mit einem neuen Mike-Mann, der dem Solitair-Sspieler sehr ähnelt, eine breite Promenade am Meer entlang. Außer uns ist weit und breit niemand zu sehen. Wir überlegen auf einer der weißen Metallgitterbänke Platz zu nehmen, doch ich zögere… „Wollen wir nicht noch weiter raus – Richtung Meer – gehen?“ Dort steht eine weitere Bank. Bevor wir uns setzen – ich bin sehr nachdenklich geworden – frage ich den Mike-Mann ganz vorsichtig mit leiser Stimme: „Könntest Du dir vorstellen, noch einmal ganz woanders neu anzufangen?“
Er antwortet mit einer kaum wahrnehmbaren, aber zustimmenden Geste. Als Ausdruck unseres gemeinsamen Entschlusses setzen wir uns also auf die Bank. Mit dem Rücken zum Meer. Es ist etwas kühl zu dieser Jahreszeit, der frische Wind strömt durch das Metallgitter fast ungehindert auf unsere Körper. Gleich werden wir uns küssen, um das Vorhaben zu besiegeln – erst einmal wird es ein flüchtiger Kuss sein, der zwar wenig verspricht, es dafür aber unbedingt halten wird.

Traumpfad in Rot: Mein Name ist Hase

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