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Der Stille unter meinen Männern

Traum vom 30. Januar 2012

Früh am Morgen. Am Küchentisch. Langsam werde ich wach, nehme meine Umgebung wahr … Mir gegenüber am Tisch sitzt ein vertraut wirkender Mann. Seine schulterlangen dunklen Haare fallen in weichen Wellen bis über die Schultern. Ich merke auf, teile ihm direkt meinen Gedanken mit: „Weißt du, dass wir seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben?“ Fast wage ich nicht zu sagen, dass ich ihn in den letzten Jahren kaum mehr wahrgenommen, ja eigentlich fast vergessen habe. Ich stehe auf, ziehe noch einmal am Gürtel, um den Morgenmantel zusammenzuhalten , ziehe den Stuhl an ihn heran und setze mich ihm zugewandt, beuge mich zu ihm und frage behutsam: „Vielleicht liegt es daran, weil Du so still bist?“ Er bestätigt sachte nickend. „Meine anderen Männer sind auch so laut, dass sie dich übertönen.“ Ein bisschen schäme ich mich, dass ich ihn die ganze Zeit übersehen habe. Ein wenig geniere ich mich, nun aktiv den Kontakt zu ihm herzustellen, aber wäre es nicht bedauerlich, wir verlören uns erneut aus den Augen? In meine Gedanken hinein muss er irgendwas von einem Film gesagt haben, den meine anderen Männer gerade schauen. Genau habe ich es nicht verstanden, doch sofort bin ich direkter Beobachter des filmischen Ablaufs:

Eine handgreifliche Auseinandersetzung unter Männern. Alte Römer! Einer greift mit einer Stichwaffe einen anderen an. Der weist den Angriff mit einem Regenschirm ab, der mit einem Material ähnlich dem von Fechterhemden bespannt ist. Das Messer setzt sich darin fest. Doch weitere Schwerter greifen den Mann an, der aber denkt, die Waffen seien stumpf! Warum sonst wäre das andere Schwert in seinem Schirm stecken geblieben?! So werden ihm einige Fingerglieder abgetrennt, ohne dass er es bemerkte. Welch scharfer und entschlossener Schnitt, wenn es nicht mal schmerzt! Erst als der Angreifer erneut zuschlägt, bemerkt er seine blutenden Fingerstümpfe, spreizt sie mit entsetzen Augen und stummem Aufschrei. Welch ein Irrsinn! Wieder und wieder werden die Finger mit einem weiteren Hieb abgeschlagen.

2 Antworten zu Der Stille unter meinen Männern

  1. Hallo,
    schön, dass ich Deine Seite gefunden habe, habe vor zwanzig Jahren über lange Zeiträume meine Träume aufgeschrieben. Das bringt Übung, sie nach dem Erwachen einzufangen. Tue ich heute nicht mehr und doch hat mich Dein Blog inspiriert vielleicht meine Sammlung zu veröffentlichen. Es gibt Zwischentöne in Träumen die lassen sich schwer aufs Papier bannen und nur der Träumende fühlt den Inhalt.
    lg
    Susi

  2. Hallo Susi,
    da schaue ich mal vorbei, ob Du Deine Traumsammlung online stellst. Bin gespannt!

    Ja, die Träume in stimmige Texte zu fassen ist oft genug eine echte Herausforderung. Und während man es versucht, kommt man seinem Traum näher und näher. Liebe Grüße — Marianne