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… bis der Arzt kommt

Traum vom 16. April 2009

Hansruedi und Marlis Delfina sind gerade bei mir in Frankfurt zu Besuch. Natürlich möchte ich ihnen die Stadt zeigen. Klar also, dass wir erst einmal ein paar Stunden im Schwimmbad verbringen. Hansruedi und Marlis wirken höflich zurückhaltend, aber das Wasser ist spürbar ihr Element. Ehe wir das Schwimmbad verlassen, möchte ich unbedingt noch ein paar Bahnen tauchen. So, wie ich es früher fast ohne Ende tat. Ich hole Luft, wölbe den Rücken und… Irgendwie klappt es nicht! Entweder ich atme zu wenig ein und tauche zu langsam ab oder ich atme zu früh ein und setze umständlich mit der Bewegung an, so dass ich schon wieder Luftholen muss, ehe ich überhaupt unter Wasser war. Das kann mal passieren, aber mir passierte es nun schon vier Mal hintereinander. Lächerlich, einfach lächerlich! Ich spüre Hansruedis und Marlis’ Blicke im Rücken… peinlich, diese Unfähigkeit im Beisein der Beiden.

Nach dem Ankleiden machen wir uns auf den Weg zu einem Teich. Moina rennt mit einigen anderen Kindern voraus. Anfangs bin ich in Sorge, sie könnte in den Teich stürzen und ertrunken sein, ehe wir eintreffen und helfen können. Doch die Kinder sind vergnügt und Moina hat sich in den letzten Monaten zu einem achtsamen Kind entwickelt… was will ich ihnen die Freude verderben. Also: „Okay, dann mal los! Wir sind in wenigen Minuten auch dort!“

Die Englisch-Abschlussarbeit steht bevor. Ein großes Ereignis, dem ich angenehm gespannt entgegen sehe. Während der Wartezeit habe ich eine Reihe von kleinen Englisch-Tests abgelegt – alle mit bestem oder gutem Ergebnis. Diese Tests hängen nun in zwei senkrechten Reihen an eine Wand vor mir geheftet. Dabei sind die beiden Senkrechten durch etwas Unerinnerbares getrennt. Auf beiden Seiten hängt jeweils der Holzklotz eines Holzhammers nahe den Testbögen. Das dies so ist, das ist wichtig – warum auch immer.

Ich liege gemeinsam mit unzähligen Patienten in einem Krankensaal. Zur Zeit sind die Reinemachefrauen am Wirken. Sie kehren jeweils zu zweit den bauernblau linoleumierten Fußboden, bis er glänzt und die blumigen cremeweißen Arabesken ins Auge fallen. Die zweite Fegefrau folgt in zwei Schritten Abstand der ersten. Bemerkenswert ist die zackige Vorgehensweise der beiden Putzfrauen. Fast ruckartig die Fegestriche, die sich niemals überschneiden. Weder die eigenen vorhergehenden Fegestriche, noch die bereits gefegten Bereiche der anderen Fegefrau. Anfangs denke ich, es sei idiotisch, hintereinander zu fegen, erkenne dann aber: da steckt ein funktionierendes System dahinter! Ein weiteres Putzfrauen-Duo kehrt nebeneinander her. Auch hier ist ein ähnliches System zu vermuten. Ich schaue den Putzfrauen zu, bis der Arzt kommt.

Aha, es ist ein anderer Arzt als jener, den ich hier vor einer Stunde sah. Dieser ist groß und schlank, verschafft sich momentan einen Überblick über die Patientenlage. Der Saal steht dicht gedrängt voller Pritschen, auf denen die Patienten in dunkelblauen Trainingsanzügen liegen. Der Arzt bringt Leben in die Bude, als er ankündigt: „Jetzt ist Gymnastik angesagt!“ Auch die Bettlägrigen brauchen schließlich Bewegung.

Ich liege ziemlich gedrängt zwischen den Patienten und schwinge – möglichst synchron mit den anderen – das gestreckte rechte Bein weit über das linke Bein hinweg. Das klappt, da alle die gleiche Bewegung ausführen, kommen wir einander auch nicht ins Gehege. Beinarbeit ist wichtig! Eigentlich bin ich gesund, fühle mich auch so, und die Bewegungen mache ich mit Leichtigkeit. Als der Arzt prüfenden Blickes an meiner Reihe vorbeikommt, frage ich ihn hoffnungsfroh: „ Kommen Sie nachher zu mir? Werde ich heute entlassen?“
Mit entschiedener Stimme antwortet der Arzt: „Vielleicht! Aber auf alle Fälle nicht von mir!“
Oh, das ist ziemlich enttäuschend… ich hatte mir mehr versprochen. Der Arzt erklärt, einer meiner Fußnägel am rechten Fuß sei bei zwei Dritteln seiner Breite etwas zu flächig geraten, wodurch sich in diesem Bereich zu nahe beieinander liegende Rillen im Nagel gebildet haben – sozusagen eine Zusammenschiebung als Ausgleich, um die normale Breite des Zehennagels auch hier zu bewahren. Aah… soo… Das ist allerdings ein Makel, der mir nicht bewusst war! Es ist mir etwas unangenehm, weil ich den Fuß ja gerade ganz hemmungslos ausschweifend durch die Luft schwinge.

Ein Saal voller Kranker… ein Saal von womöglich vielen Sälen. Zu wenig medizinisches Personal, vermutlich. Keine Ahnung also, ob oder wann eine Visite angesetzt ist.

Bei einem Spaziergang mit Cleo und Frankie im Hof des Krankenhauses beklage ich mich darüber, dass ich hier nicht raus kann. Frankie kommt spontan eine Idee und diese wird ohne langes Überlegen sofort umgesetzt: die Beiden wollen einen Ausflug mit mir machen! Ich rede mir erfolgreich ein, dass ein kleiner ausschweifender Spaziergang vor dem Frühstück wohl erlaubt sein wird.

Schon sind wir mit dem Auto unterwegs – viele Kilometer vom Krankenhausgelände entfernt. Frankie fährt rasant und schneidet beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer, der daraufhin arg ins Schleudern kommt. Aus dem Himmel kommt eine Ansage wie durch ein Megaphon: „SIE GEFÄHRDEN IHRE MITMENSCHEN!“ Och, das trifft Frankie kein bisschen. Gleich an der nächsten Kreuzung nimmt er einem Autofahrer die Vorfahrt. Erneut der eindringliche Hinweis aus dem Himmel: „SIE GEFÄHRDEN IHRE MITMENSCHEN!“ Doch Frankie ist der Ansicht, dass man sich von sowas nicht von seinem Weg abbringen lassen sollte.

Inzwischen sind wir weit gefahren; unbekanntes Land. Ich werden Stunden brauchen, um zum Krankenhaus zurückzukehren. In der Ferne höre ich das Grollen eines herannahenden Gewitters. Oje! Voller Furcht und Sorge sage ich zu Cleo und Frankie: „Ich will zurück!!! Das gibt sonst ein Donnerwetter von der Klinikleitung!!“ Ich bereue mein unüberlegtes Tun und mir ist ganz weinerlich zumute. Ja, am liebsten würde ich jetzt weinen. Doch Cleo und Frankie fahren einfach weiter fort und sagen: „Nee nee, du kommst noch nicht zurück.“ Wäre ja noch schöner! Wir lassen uns doch nicht von irgendwelchen gesellschaftlichen Vorschriften einschüchtern!

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