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Leben – einfach leben!

Erst nach langer Zeit wird mir klar, dass das, was ich immer für die Realität hielt, in Wirklichkeit ein Film ist, an dem ich maßgeblich beteiligt sein darf. – Ein zentral gelegener Raum von rundem Grundriss, in dessen Zentrum eine großzügige runde Theke liegt. Allerlei Dinge geschehen, die leider in Vergessenheit geraten. Doch als ich den Raum fast durchquert habe, und mit der Bewusstwerdung, dass es sich um einen Film handelt, über die Schwelle hinaus trete, wird mir ganz leicht und unbeschwert zumute. So trage ich den frisch amputierten Penis, der ganz saftig wirkt und feucht glänzt, wie eine Leckerstange in der Hand, amüsiere mich und freue mich, dass ich es so locker nehmen darf. Das Wissen bringt doch eine ungeheure Erleichterung mit sich.

Ich will die Unterkunft also für längere Zeit verlassen, ohne dass die Gesellschaft das Okay dazu gegeben hätte. Ich muss los, stürme ein Hotelzimmer und anschließend stürmt Eugene Faust – in Gestalt eines Mannes, der an Abraham erinnert — mein Zimmer. Fast bin ich versucht, mich dafür zu entschuldigen, die Unordnung nicht beseitigt zu haben, doch offenbar ist Schichtwechsel und Eugene Faust liest meine Personalien von einem Datenblatt laut vor, um diese zu überprüfen. Nicht ein Wort des Tadels kommt über ihre Lippen. Im Gegenteil deutet sie an, dass das Aufräumen zum Service gehöre, den ich selbstverständlich genießen würde. Die Devise sei nämlich:

Einfach leben! Leben!

2012-02-18 PlacesEine Frau kommt hinzu, stellt sich an meine rechte Seite und entfaltet einen großen Plan. Reichlich weiße Felder mit wolkigem Rand vor dem Hintergrund eines frühlingsgrün belaubten Stammbaumes. Nach kurzer Betrachtung erkenne ich, worum es geht: die weißen Felder repräsentieren bestimmte Plätze im Leben. Alle Familienangehörigen sind ermuntert, ihre Gefühle in die jeweiligen Felder einzutragen, so dass sich schon bald ein Überblick ergibt, der zu weiteren Überlegungen anregen und zu neuen Erkenntnissen führen soll. Stellt man beispielsweise fest, dass sowohl die Ältere als auch man selbst an einem bestimmten Platz sehr ähnliche Gefühle und Gedanken erlebt, obwohl dieser Platz eher ein neutraler sein sollte, so müsste das doch sehr nachdenklich stimmen und einige erhellende Rückschlüsse zur Folge haben. Ich bin begeistert von diesem Plan, von dieser Idee und überlege, so etwas auch in mein Leben zu tragen!

Da ist jedoch das latent vorhandene schlechte Gewissen, weil ich nicht ausreichend aufräume in meinem Leben. Doch in der nächsten Sekunde werden meine Bedenken von einer soeben eintreffendenLeiterin zerstreut. Sie zeigt sich sehr irritiert, als ich andeute, nicht genügend Ordnung zu halten. Und sagt, es komme nur auf folgendes an:

Leben! Einfach leben!

So überquere ich den Platz nahe der Großeltern-Waschküche. Wie viele mir als verwandt erlebte Menschen hier lustwandeln! Wie herrlich es ist, wie mein schwungvolles Miniröckchen meine Oberschenkel streift. Ein sanftes Streicheln bei jedem Schritt. Wie gerne ich solchen einen Ortsplan hätte!

~ Traum vom 18. Februar 2012 ~