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Schwarzes Kätzchen in Fleischabteilung

Traum vom 17. März 2010

Als ich hinzu komme, hat Mike den Fleischeinkauf im Supermarkt fast abgeschlossen. Eine riesige, rechteckige Edelstahlschale steht auf einem Küchentisch, ist gefüllt mit einem Berg aus portionierten Fleischstücken – wie zur Raubkatzenfütterung. Vermutlich hat er eine bestimmte Menge gefordert – es könnten, der Menge nach, zwanzig Kilo sein. Da die Verkäuferin jedoch nicht ausreichend Fleisch vorrätig hatte, legte sie noch ein junges Kätzchen dazu, um das Gewicht zu erreichen. Es ist ein so herziges kleines Kätzchen! Sein schwarzes Fell weist an manchen Punkten weiße Haarspitzen auf. Am auffälligsten und am schönsten aber sind seine Augen: groß, fast rund, leuchten sie wie von innen heraus. Ein leuchtendes, klares Grün. Wäre es nicht unbewegt, wie eine Momentaufnahme, so könnte man es für lebendig halten. Wie kaltherzig, eine so junges Kätzchen als unfertiges Frischfleisch dazu zu legen – es schaudert mich. Ich beschwichtige Mike in seinem Prozess und teile ihm hastig mit: „Mike, das Fleisch reicht! Lassen wir das Kätzchen hier!“ Doch Mike ist gedanklich zu abwesend, um zu kapieren, worum es geht. Das beunruhigt mich und ich hake nach: „Ja, willst DU dem Kätzchen das Fell abziehen? Willst Du ihm die Beine abschlagen, willst Du es zerlegen und dann essen?“ Dass das Kätzchen dann auch geköpft werden müsste, wage ich gar nicht auszusprechen; zu schrecklich wäre allein die vollzogene Vorstellung. Mike schaut kurz und leicht genervt zu mir, kann sich offenbar nicht erklären, warum ich mich so lästig einmische, wo der Kauf doch fast abgeschlossen ist. Herjee! Denkt er nicht weiter? Er, als Katzenfreund, müsste es doch ebenso ablehnen, eine Katze zu schlachten! „Ich bekomme nicht einen Bissen runtern, sollte ich sie zerlegen und zubereiten müssen!“ setze ich hartnäckig nach. Doch Mike reagiert nicht. Aufgebracht, geradezu aufgeregt versuche ich es mit lauter und verärgerter Stimme: „Willst Du das Kätzchen köpfen? Sag!! Willst Du? Nimm – es – raus!! Ich will es nicht essen!“

Traumpfad:
Als ich Mike diesen Traum erzählte, kam ihm ein eigener Traum, vom 2. September 2007, in den Sinn. Mike erzählt:

Narzißtisches Schnecken-Kätzchen aus dem Supermarkt

Ich bin mit Samuel in Mühlenhof in unserem Arbeitszimmer im oberen Stockwerk des Firmengebäudes, wo wir beide emsig jeder für uns beschäftigt sind. Zwischendurch will ich etwas Ordnung machen und greife mir einige Sachen, die herum liegen, um sie nach unten zu bringen. Als ich beide Hände schon recht voll habe, will ich auch noch zwei Sachen aufheben, die auf dem oberen Abstellbrett einer Bettcouch an der Wand hinter mir liegen, und greife sie mit etwas Mühe. Eines davon ist ein wunderbar kühler, frischer Liter Milch, gerade im Supermarkt gekauft; das andere aber bewegt sich in meiner Hand, entwindet sich, springt auf den Boden und huscht quer durch das Zimmer, um sich auf das Kopfkissen des Bettes zu flüchten, das an meinem Schreibtisch steht. Was ist denn das gewesen? Neugierig betrachte ich das vermeintliche Ding, das sich als Lebewesen entpuppt hat und langsam und vorsichtig über mein Kopfkissen kriecht: ein schwer zu definierendes weißes Etwas, das schließlich eindeutig als Schnecke zu erkennen ist – ein seltsames Schneckentier, das schnell wächst und auf dem sich ein wunderschönes Schneckenhaus bildet, weiß und hoch, noch nicht ganz fest, wie Perlmutt schimmernd. Scheu krallt sich der große Schneck an meinem Kopfkissen fest, und ich sehe ihm fasziniert zu und rufe Samuel zu: „Hey schau mal!”
Der kennt das Tierchen schon: „Ach ja”, meint er, „das habe ich gerade aus dem Supermarkt mitgebracht – ist es nicht schrecklich, daß es dort einfach so verkauft wird?” Und Samuel verweist auf den Aufkleber des Klarsichtbeutels, in dem das Tier steckt. Dort steht: „Narzißtisch gewordenes zwanzigpfündiges Tierfleisch” – das ist nun wirklich kraß! Das Tierchen – das noch weiter gewachsen ist und nun ein weißes flauschiges Fell hat, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es ein Kätzchen oder ein ganz kleiner Hund ist, und mich auch gar nicht mehr getraue näher hinzusehen – wurde in dem Supermarkt aufgrund dieser narzißtischen Fehlbildung ausgesondert und als Ware zu billigstem Sonderpreis feilgeboten, minderwertiges Tierfleisch für skrupellose Kunden zum selbst Totschlagen. Gruselig, denke ich, und kann kaum mehr hinsehen aus Angst, was ich dort sehen werde: aufgrund welcher Umstände wurde es wohl zur Ausschußware erklärt – einem Fehlverhalten, einer angeborenen schweren Mißbildung? Dabei springt das trotz allem niedliche und verspielte Tier in seinem Klarsichtbeutel munter umher, auch noch, als der Beutel nun mit einer konservierenden Flüssigkeit gefüllt ist. Ich bin versucht, das arme Tierchen mit nach unten ins Büro im Erdgeschoß zu nehmen, um dort meine Mutter und Frau Onouk damit zu erschrecken. Bei näherer Überlegung ist das aber einfach zu heftig, wie das arme Wesen zum Totschlagen im Supermarkt feilgeboten wurde: so etwas Herzloses, da wird einem ja übel, das kann ich Mutter und Frau Onouk nicht zumuten.

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