Home » Traumtagebuch » Neu! Esoterische Entspannungsmethode

Neu! Esoterische Entspannungsmethode

Traum vom 19. März 2010

Etwas hektisch, fast ein wenig getrieben, setze ich mich zu der Reisegruppe in den Bus. Allerdings habe ich nicht vor, mich ihnen anzuschließen, sondern werde meinen eigenen Weg verfolgen. So ziehe ich mein Navi hervor. Es ist drei Mal so breit wie das übliche Format. Ich nehme es hochkant, so habe ich auch immer die drei Tabs im Bild. Das ist praktisch, denn dem Navi fehlt die Eingabemöglichkeit über ein Buchstabenfeld – angestrebte Ziele müssen immer mit einem Finger berührt werden, um sie näher zu zoomen. Ebenso wird eine Grobauswahl über Berührung der Tabs getroffen. Blöd, dass sich kein konkretes Ziel eingeben lässt. Zudem hat das Navi eine blöde Macke: ganz egal, welches Gebiet ich zwecks Betrachtung fixieren will, so rollt es immer beiseite. Die Kontinente fliegen vorbei wie bei einem Glücksspielautomat und bleiben am Ende immer im gleichen Bereich stehen: UdSSR. Mindestens drei Versuche enden so. Verflixt noch mal, das gibt’s doch nicht! Da kommt mir die Idee, einfach ein Ziel in der UdSSR auszuwählen, um wenigstens einem Gebiet näher zu kommen und mich dann einfach von dort aus weiter in die gewünschte Richtung bewegen zu können. Etwas irritierend wäre dann allerdings schon der falsche rote Faden, der mittels markierter Route immer ins Auge fiele und irreleiten könnte. Da ich auf das Problem der Zielfindung fixiert bin, gelangt eine wichtige Tatsache nur am Rande ins Bewusstsein: die UdSSR wurde ja längst aufgelöst. Das irritiert mich unterschwellig, aber ich dränge es als störend aus dem Bewusstsein, ehe ich die Bedeutung für mich erfassen kann. Und: Das ist ja alles zu blöd. Genervt lasse ich das Navi zurück in meine Taschen rutschen und schaue etwas trübsinnig aus dem Fenster.

Im abgelegenen Aufenthaltsraum sitzen zwei Frauen und unterhalten sich angeregt über eine neue Entspannungsmethode, mit deren Theorie sie sich gerade frisch vertraut gemacht haben. So beschreiben sie einander, auf welche Weise sie welche Muskelpartien massiert und rolliert und wie sie die Nervenstränge entspannt habe. Ihre Beschreibungen sind durchdrungen von all den sehr esoterisch klingenden Begriffen, die sich die Erfinderin dieser neuen Enstpannungsmethode eigens dafür ausgedacht hat. Während die Frauen also diese neuen Begriffe verwenden, und mit vielen ‘Aaahs’ und ‘Mmmhs’ die als megamässig spirituell und esoterisch empfundene Entspannung untermalen, merkt man ihnen an, dass sie allein aufgrund dieser ausgefallenen, vermeintlich esoterisch klingenden Begriffe davon ausgehen, diese Entspannungstechnik müsse etwas ganz besonders Tolles, Wirksames, Spirituelles und was weiß ich sein. Ja, und sie gehören zu den ersten, die überhaupt Ahnung davon haben und… so fort. Mir geht dieses ganze Esogedöns tierisch auf die Nerven und ich hätte nicht wenig Lust mit ein paar sarkastischen Bemerkungen ihre Selbstgefälligkeit einstürzen zu lassen. Als sie mich erwartungsvoll anblicken – inzwischen sitze ich bei ihnen am Tisch – schaue ich nur kurz und desinteressiert von meiner Schreibarbeit auf und sage mit einem Abwinken, gelangweilt: „Ich habe Astrologie studiert.“ Damit will ich ausdrücken: Mir ist das alles vertraut; alles alter Wein in neuen Schläuchen.

Tags: