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Berechnung von Grünem Spargel

Traum vom 19. März 2010

Ich trete an das kleine Holzhäuschen. Spargelverkauf. Das Verkaufsfenster steht offen. Dahinter sitzt der dünne Möchtegern-Schickimicki mit den platinblonden Kunstlocken – so kunstvoll gelegte und glänzende Locken, dass diese Frisur nicht mehr als Pennermatte durchgehen kann, obwohl sich der Ausdruck immer wieder auf die Zunge legen will – und verkauft Grünen Spargel. Als mein Schatten auf den Blonden fällt, schaut er mürrisch auf. Ich nehme eine Spargelstange, schneide sie mit einem roten Schälmesser mittig durch, lege beide Hälften aufeinander und durchtrenne diese wieder in der Mitte. Die so entstandenen vier Spargelstücke lege ich auf die Waagschale. Doch kaum dass dies geschehen kann, greift der Blonde die Stücke und schmettert sie wütend zu Boden, in die Ecke seines Kabäuschens, und schnauzt mich an: „Zerschnittenen Spargel verkaufe ich nicht!“ Klar, das geht über seine Ehre. Aha, so denke ich mir, das hatten wir ja schon einmal. Ich war nämlich vorhin schon mal hier gewesen und hatte einen anderen Kunden beim Kauf beobachtet. Der wollte Spargelstücke kaufen und wurde vom Spargelverkäufer zusammengestaucht. Da ich also auf seinen zornigen Ausbruch vorbereitet war, bleibe ich ruhig und gelassen, beuge mich weit in das Häuschen hinein, nehme eine Schulter des Blonden sanft in meine Handschale und erkläre besänftigend: „Nein, ich plane kein Gemetzel und keine Unkultiviertheit.“ Ich beuge mich noch weiter hinein, suche den Blick in seine Augen, mache herbei winkende Bewegungen – in Richtung der am Boden liegenden Spargelstücke – mit den Fingern der freien Hand und erkläre mit fester Stimme: „Geben Sie mir meinen Spargel! Sie wissen ja wohl, dass ich diesen Spargel nur zerschnitt, damit er auf die Waagschale passt. Ich möchte nämlich wissen, wie viel eine Spargelstange wiegt, damit ich ausrechnen kann, wie viel Spargel ich kaufen muss.“ Doch der blonde Spargelverkäufer zeigt sich von meinen Erklärungen unbeeindruckt, ist immer noch kurz vor einem cholerischen Anfall. Ich rede unermüdlich auf ihn ein, so als könne ich mich nur anhand meiner Worte vor seinem Ausbruch bewahren. Dabei natürlich immer noch davon ausgehend, mich verständlich machen zu können. Doch seine Lippen sind fest aufeinander gepresst, unbeweglich erstarrt wartet er nur auf den Moment, da sich eine Lücke zwischen meinen Worten findet. Ich bin fest entschlossen: ich werde nicht aufgeben, ehe er meinen zerteilten Spargel zurückgegeben hat. „Glauben Sie etwa, ich hätte das beim letzten Mal nicht miterlebt, als Sie den zerschnittenen Spargel nicht verkaufen wollten? Dachten Sie, ich wüsste nicht, dass man Spargel nicht mit dem Messer schneidet? Meinen Sie vielleicht, Sie müssten mich erziehen? Nein! Ich hätte den Spargel nicht zerschneiden müssen; schon gar nicht aus Unwissenheit! Ich tat es mit voller Absicht und aus gutem Grund: Berechnung! Geben Sie mir meinen Spargel zurück!“

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