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Astrologisches Gespräch mit dem Teufel

Traum vom 29. März 2010

Abenddämmerung. Zwei breite Terrassentüren – geradeaus, und nach rechts – stehen weit offen. Es ist an der Zeit, die beiden Kätzchen ins Haus zu holen und dann die Fenster zu schließen. Voller Fürsorge setze ich beide Kätzchen – sie sind noch sehr jung, und so putzig anzuschauen – ins Haus. Sie wollen natürlich gleich wieder hinausspielen, aber ich bin schneller. Ich will noch schnell staubsaugen; ansonsten ist die Wohnung schon okay. Dort ein Tischchen im Wohnraum. Dunkle Hochglanzpapiere liegen da für mich, wie edle Speisekarten: Jobangebote, speziell für mich, das Besondere. Ich lese die Anzeigen laut vor und muss dabei lachen. Beim Lesen höre ich die Stimme der Asiatin, die die Anzeige aufgab und darauf achtete, dass es wirklich so zu lesen ist, wie sie sich anhört: „Suche Servijce Escorjte. Eine ganz klare, hübsche Stimme ohne jede Arglist. Trotzdem: Nein danke, das möchte ich nicht. Ich muss schon wieder wie befreit lachen.

Hinter meinem Rücken sind Umräumaktivitäten zu vernehmen: Fozzie trägt sämtliche schweren Ledersessel aus seiner Wohnung auf die Terrasse hinaus. Die Terrasse aber ist Teil meines Wohnzimmers. Deshalb hoffe ich, dass dies nur eine Übergangslösung ist – außerdem sollten selbst Ledermöbel nicht zu lange einem möglichen Regen ausgesetzt sein, denke ich mir. Ich trete an das runde Tischchen, von dem aus der Blick nach unten zur Terrasse geht. Sieht ja eng aus da, mit den braunen wuchtigen Ledermöbeln. Naja. Auf dem Tisch vor mir stehen mein Laptop und mein Netbook; mit Datenübertragungskabel verbunden, aktiver Prozess. Dazwischen ein sonnengelbes Tässchen mit Espresso, das ich nicht verschütten sollte.

Später am Abend. Dort, wo ich anfangs die beiden Kätzchen in der Dämmerung ins Haus holte, steht ein runder Tisch. Eine Gesprächsrunde mit der Kronen-Astrologin, dem Teufel und zwei mir unbekannten Frauen. Wir unterhalten uns über astrologische Themen. Der Teufel berichtet gerade von Erfahrungen mit einer bestimmten Konstellation in seinem Horoskop: Merkur in Zwilling in Feld 3, dem gegenüber der Mond in Schütze in Feld 9. Ich kann mich nicht beherrschen, falle ihm mit lauter Stimme ins Wort: „Das hab ich auch!!! Oh Mann, das kenne ich, das habe ich auch!“ — Ein strafender Blick der Kronen-Astrologin trifft mich, der Teufel schaut innehaltend und mich nicht ernst nehmend … — Jaja, okay, ich bin ja schon still. Als ich dann nach einigen Minuten an der Reihe bin, erzähle ich aufgeregt: „Genau das habe ich auch in meinem Horoskop: Merkur in Uranus in Feld 3!“ Ich finde es voll verblüffend, dass wir eine so ähnliche Konstellation haben, der Teufel und ich – warum habe ich das bisher nicht gewusst? — Der Teufel antwortet gleichgültig: „Sie Arme, darum beneide ich Sie nicht.“ — „Ach Quatsch! Was erzähle ich denn da? Merkur in Uranus?? Natürlich nicht! Er steht natürlich in Zwilling! Und gegenüber der Mond in Schütze in Neun.“ Während ich wegen aufkommender Irritationen innehalte und mich nachdenklich frage, was ich da eigentlich erzähle, ob das stimmt und dass es doch sonderbar ist, weil mein Horoskop ja anders gelagert ist, als ich gerade erzähle; erzähle und dabei natürlich für richtig halte, aber irgendwas stimmt da wohl doch nicht? Währenddessen wendet sich der Teufel völlig desinteressiert ab. Mein Horoskop … mögliche Übereinstimmungen mit seinem … das ist ihm egal. Nun ja, ich bin ja auch gar nicht mehr so sicher, ob … — Der Bus ist da!!

Ich schaue mich um, aus dem großen Fenster hinaus auf die Wohnstraße vorm Haus und – tatsächlich, gerade fährt der Bus vor, mit dem die Frauen und ich – vielleicht auch der Teufel – unsere Reise fortsetzen wollen. Mit einem Sprung stehe ich und greife meine Sachen vom Tisch, während die Frauen bereits auf dem Weg nach draußen sind. In der Eile überlege ich, meine Brille einfach liegen zu lassen, beim nächsten Mal mitzunehmen. Doch nach wenigen Schritten besinne ich mich – die Brille brauche ich ja unbedingt – gehe zurück und greife schnell die Brille, ohne Etui, überlege dabei, dass mein Netbook offen und aktiv und die Kronenastrologin könnte während meiner Abwesenheit Einblick gewinnen. Viel Einblick, vielleicht mehr Einblick als mir lieb wäre. Aber ach, egal, was soll’s. Am Buseinstieg ist es ordentlich voll. Die beiden Frauen aus dem Gesprächskreis haben bereits die Fahrkarten bei der Busfahrerin gelöst. Ich trete hin, bitte um die Fahrkarte und nenne im gleichen Atemzug den Fahrpreis. Die Busfahrerin schaut mich grinsend und offen an. Offenbar bin ich die erste, die hier den Fahrpreis überhaupt kennt. Ich lächle zurück, fühle mich mit einem Male irgendwie gut.

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Eine Antwort zu Astrologisches Gespräch mit dem Teufel

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