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Traumnotizen in Rot

Traum vom 30. März 2010

Auf der Rückbank im Auto des Älteren. Ich knie vor der Rückenlehne, mit dem Bauch angelehnt, meine Traumkladde auf der rückwärtigen Ablage, mache ich Traumnotizen. Wir tuckeln ganz langsam durch einen völlig abgelegenen Ort, zu dem ich wohl ohne den Älteren gar keinen Zugang fände. Ganz langsam ziehen die alten Häuser aus roten Backsteinen mit hübsch weißen Fenstern an uns vorbei. Für Sekunden werden Daten an die Fassaden projiziert, so dass man darüber erfährt, wann das Haus und von wem es gebaut wurde, und andere interessante Dinge. Ich würde zu gerne ein Foto davon machen, aber dazu müsste ich den Film anhalten, wollte ich die projizierten Informationen mit auf das Bild bekommen. Mehrmals drücke ich mit dem Finger auf das Start- / Pausezeichen mitten auf dem Seitenfenster, um den Film – also die vorüberziehenden Häuser – anzuhalten. Ohne Erfolg; der Film läuft einfach weiter. Das ist ja wirklich frustrierend! Einige Einheimische stehen auf der Straße oder dem Gehweg. Sie tragen ortstypische Trachten. Es sind hochgeschossene Gestalten – sowohl Männer als auch Frauen – mit schmalen Hüften, ernsten Gesichtern und am auffälligsten: die sichtlich gefurchte Gesichtshaut ist stark gebräunt und wirkt wie Leder. Sie tragen ein gesteiftes Tuchkäppchen mitten auf dem Kopf; dabei ein wenig wie ein Narrenhütchen verrutscht. Zuerst sehe ich eine solche Frau. Als ich darauf einen ähnlichen Mann sehe, ärgere ich mich, nicht daran gedacht zu haben, ein Foto von der Frau zu machen. Die sind doch wirklich interessant anzusehen. Na gut, ich hätte fragen müssen, ob ich die Bilder im Internet veröffentlichen darf – ob sie aber vom Internet schon wissen?? Ich denke nun auch, unser Auto müsse jederzeit zum Stehen kommen, denn hier im Ortszentrum müsste ja das Ziel erreicht sein. Ich vergewissere mich überzeugt: „Wo gibt es denn jetzt den sensationellen Apfelwein / Kuchen?“ — Fast gütig antwortet der Ältere: „Ich habe mich geirrt, wir müssen woanders schauen.“ — Oh, damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet …

Ich sitze also auf dem Fußboden – grauer Filz, wie vor verschlossenen Klassenräumen – mit angezogenen Beinen an die Wand gelehnt. Auf den Knien eine der Traumkladden, derer weitere zu beiden Seiten neben mir liegen. Ich blättere in allen hin und her, ärgere mich darüber, dass bereits alles vollgeschrieben ist. Ich möchte doch den letzten Traum notieren. „Das gibt es doch nicht! Auch dieses Heft ist schon voll!“ Ich kommentiere es also jedes Mal, wenn mir wieder die roten Traumnotizen unter die Augen kommen. Gegenüber – etwa fünf Meter entfernt – sitzt ein Stefan. Er schreibt, schaut immer wieder genervt zu mir her, sobald ich loslege. Er meint, ich müsse doch nicht jedes Mal ein solches Brimborium darum machen. Oh ja, das stimmt, da hat er Recht! Ich mache es auch gar nicht gerne! Ich will es auch gar nicht, und trotzdem geschieht es.

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Eine Antwort zu Traumnotizen in Rot

  1. [...] Der Traumort erinnert sehr an die Bilder, mit denen ich den Traum ‘Qur’an’ (Winter 2003) illustrierte, in Erinnerung. Beim Sichten projektgeeigneter Träume war ich diese Tage auch auf diesen Traum gestoßen. Die Brokatkäppchen erinnern stark an die Tuchkäppchen im Traum ‘Traumnotizen in Rot’ [...]