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Altern

Traum vom 10. April 2009

Eine Speiseraum mit mehreren nackten Holztischen. An einem sitzt eine gebeugte alte Frau mit Kopftuch. Der Tod der Alten steht kurz bevor. Ich trete von hinten an sie heran, beuge mich über ihre Schultern und bin ihr dabei behilflich, eine Scheibe Brot zu belegen. Die Brotscheibe liegt auf einem Holzbrettchen; reichlich Brotkrümel. Die letzte Mahlzeit soll appetitlich aussehen.

Ein paar Schritte weiter links sitzt ein breitschultriger alter Mann mit kräftigen weißen Haaren am Tisch. Ich trete von hinten an ihn heran, beuge mich über seine linke Schulter und beginne, ihn vom Kinn aufwärts bis zum Ohrläppchen zärtlich zu küssen. Er zeigt keine deutliche Reaktion. Einzig das Aufleuchten seines Gesichts verrät davon, dass er sich über die Küsse freut. Er bereitet gerade eine Sache vor – Uhrmacher? – dabei möchte ich nicht länger stören, und setze meinen Weg fort. Dabei spüre ich die blicke des schwulen Blonden im Rücken, der einige Schritte weiter rechts neben dem Mann steht und uns sicherlich beobachtet hat. Vielleicht fühlt sich dieser Mann übergangen, weil ich ihn nicht geküsst habe? Aber nein, was für ein blödsinniger Gedanke. So ein junger Mann empfände sicherlich Unbehagen, wenn ihn eine alte Frau küsste.

Auf dem Hauptbahnhof versammeln sich die schätzungsweise 150 Gäste einer Beerdigung. Es haben sich zwei Gruppen gebildet: einmal die Hauptgruppe und dann ein paar Einzelne, die etwas abseits stehen. Ich gehöre zu letzterer Gruppe. Wir warten. Der Zug ist noch nicht eingefahren. Vielleicht ist das – dass der Zug auf sich warten lässt – auch der Grund dafür, dass die Trauergesellschaft bereits hier am Bahnsteig mit dem Trauergesang beginnt. Moina und ich sitzen in einem Wageninneren auf dem Bahnsteig. Das ist ganz praktisch, denn ich kenne weder Text noch Melodie des Abschiedsliedes. Im Wageninneren vor Blicken gut geschützt, wird die Trauergesellschaft wohl kaum bemerken, dass ich das nicht kann. Dennoch überlege ich, jetzt doch auszusteigen, zumal Moina aus voller Kehle mitsingt. Merkwürdig, wie Moina beim Singen die Kinnlade leicht vorschiebt, so dass sich ihre kleinen Zähnchen ein wenig vor die obere Zahnreihe schieben. Es zieht derart die Aufmerksamkeit auf sich, dass mein Blick dort hängen bleibt.

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