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Vorfeiertag

Traumreste vom 1. April 2010

[…] Nach langer Zeit also ein Treffen von mir geschiedener Verwandter, zu dem auch ich eingeladen bin. Vor allem bin ich neugierig darauf, wie sich alle verändert haben. Nach einer so langen Zeit muss es ja auch im Äußeren zu Veränderungen gekommen sein. Noch fern sehe ich den Ex hantieren. Vor allem fällt mir der Zuwachs auf: der Bauch gewölbter als beim letzten Male, die Haare üppiger und gewellter. Eine Mischung aus Vitalität und wohlgefundener Behäbigkeit.

Abend, Zeit der Abfahrt. Auf dem Platz der Kindheit steigen alle in ihre Fahrzeuge, noch ehe ich Kontakt aufnehmen, geschweige denn zum Betrachten kommen konnte. Es ist, als würde mir etwas entzogen – nicht schlimm, nicht ergreifend, aber doch irgendwie blöd. Mit der runden Spitze meines schwarzen Riemenschuhs mache ich, aus dem Fußgelenk heraus, kleine Bögen auf einem klarglasig geeisten Pflasterstein. „Es ist glatt!“ rufe ich aus, um zu Vorsicht zu gemahnen. Aber es ist nicht überall glatt. Nur einige der Pflastersteine haben diese dicke klare Eisoberfläche, die genau an den Fugen endet, was ja eigentlich so gar nicht sein kann – höchsten mal aus Zufall, aber nicht als Regelmäßigkeit. Ja, was soll ich weiter dazu sagen. So schaue ich fast widerwillig darauf und alle fahren fort.

Ein weiter Biergarten ist mein. Hier und da ein leichtes Aufflattern heiter heller Sonnenschirme. Das Rund der Tische meist von der Unordnung vieler Stühle umgeben. Und überall, reichlich, Gäste. Treiben, Heiterkeit, Lust am Geschehenlassen. Der Sommer neigt sich dem Ende, und damit rückt auch eine kleine Reise näher. Zuvor aber muss ich hier noch Ordnung schaffen, die Stühle richten, alles gut hinterlassen, damit während meiner Abwesenheit nicht noch unnötige Arbeiten anstehen. Es reicht ja schon, wenn der Laden überhaupt, dank der Hilfe von Verwandten, weitergeht. So viele Gäste noch: meist schon den Tischen entrückt, innerlich gelöst, die Kragen und duftigen Schals gelockert, teils in Hingabe oder vor Ermüdung zwischen den Stühlen am Boden liegend. Gerade steige ich über ein älteres Paar hinweg, die mit den Köpfen beieinander am Boden liegen. Die fast schwarzen Wellen ihrer Haare umfluten sanft ihren Kopf bis hin zu seinem und mir ist klar, dass ich nur mit einem großen Schritt dieses „Hindernis“ überwinden und damit weiterkommen kann. Ein wenig von Sorge begleitet, ihre so empfindlichen Gesichter und Köpfe zu verletzten. Ich mache also einen weiten Schritt, der mir zum Glück gerade möglich, da ich einen altmodischen Hosenrock mit sehr weiten Beinen trage. Der Stoff ist mit einem abstrakten Dschungelmotiv gemustert – Olive, Mattlila und ein wenig gedämpftes Rot. Das sieht bestimmt blöd aus … in der Vorstellung nun den Anblick aus der Perspektive der mir zu Füßen liegenden Frau: es ist nur Stoff zu sehen, vielleicht auch ein wenig von den fast spagatweit geöffneten Beinen, aber nicht konkret. Die Frau ermuntert mich mit warmer Stimme: „Es ist aber schon auch etwas sexy.“ — Also, was sie wohl sieht? Es fällt mir schon schwer, mir ihre Sichtweise überhaupt vorzustellen! Aber darum geht es ja auch nicht. Zum Glück habe ich meine Füße nicht auf ihre Haare gesetzt. Dann bin ich durch, erreiche das Ende des Gartens. Hier sitzen keine Gäste mehr und die Auszeit ist nun endlich in angenehme Nähe gerückt.

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