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Die zerstörten Holzschuhe

Traum vom 2. April 2010

Ein friedlich liegender Saal. Darin um die zwanzig oder fünfundzwanzig Frauen, die einander würdigen, indem sie jeweils eine von sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen, um eine herausragende Eigenschaft derjenigen mit einem improvisierten Lied zu besingen. Diese Frau wird also von den anderen in Form eines eiförmigen Ovals umringt. Die Frauen wie die Haut einer Keimzelle mit der einen Frau mittendrin bewegen sich gemeinsam weiter, immer mehr in das Dunkel des Saales hinein.

Jetzt stehe ich im Zentrum, lasse mich darauf ein, klatsche die Hände rhythmisch über meinem Kopf, bewege mich in Rumbaschritten mit den anderen, während meine Extreme besungen werden, die mich so gut charakterisieren: „… sie ist himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt …“ so wird im Refrain fröhlich gesungen. Anfangs fühle ich mich damit angenehm erkannt. Doch dann äußert eine kritische Frau ihre Bedenken, wegen einer möglichen Interpretation dieser Eigenart. Sie fragt sich und mich, ob das wirklich noch lauthals bekräftigt und ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt werden müsste? Gibt es nicht Vorteilhafteres? — „Das ist schon okay!“ erwidere ich voller Unbeschwertheit. Fühle mich nun aber sehr gedrängt, etwas dazu zu sagen, etwas klarzustellen: „Ich bin kein Borderliner! Kein Borderliner, hört ihr?!“ Singend, tanzend und klatschend bewegen wir uns wie eine oszillierende Masse in das immer dunklere Oval des Saales hinein.

Später. Sichtlich in Eile tritt eine sympathische weibliche Autoritätsperson zu mir. Sie steht direkt vor mir; durch ein altmodisches weißes Geländer mit schwarzem Handlauf sind wir getrennt. Freundlich und selbstverständlich bittet sie mich: „Gib mir bitte meine Holzschuhe zurück.“ — Von plötzlichem Begreifen durchzuckt, mit vor Schreck geweiteten Augen, stoße ich hervor: „Stimmt’s, sie waren in der weißen Plastiktüte, deren Inhalt ich beim überstürzten Ausstieg eilig zusammensammeln musste!“ Etwas ruhiger füge ich hinzu: „Es tut mir sehr leid, die Tüte und ihr gesamter Inhalt ist bei der Aktion unter die Räder der U-Bahn geraten und wurde dabei vollkommen zerstört; nichts Greifbares blieb.“ — Mein Bedauern kommt von Herzen und gerne möchte ich Ersatz besorgen, um ihren Schaden zu mindern. Nur fällt mir sofort ein, dass ich die Holzschuhe schlecht für sie besorgen kann; denn was wäre gewonnen, wenn die Holzschuhe schlecht passten? „Ach bitte, wenn Sie sich neue Holzschuhe kaufen, so will ich Ihnen den Kaufpreis erstatten!“ Ein Betrag von 39,90 Euro oder vielleicht auch vierzig Euro kommt mir in den Sinn. Viel Geld, aber ich bin wirklich gerne bereit, diesen Betrag aufzubringen, um nicht mehr in ihrer Schuld zu sein.

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