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Schlägerei in der Kaschemme

Traum vom 4. April 2010

Der Ältere fährt mich mit dem Auto zurück zu einer Kaschemme am Stadtrand; vielleicht nahe dem Hafenviertel. Das geschieht auf meinen Wunsch hin, denn ich habe dort heute bereits einige Stunden verbracht und mich sehr wohl dabei gefüllt, in dem einfachen Raum zu sitzen, einen Espresso zu trinken und dabei zu schreiben. Zum Mittagessen war ích halt heimgefahren, möchte das Angenehme nun aber fortsetzen. Doch als wir ankommen … – wir fahren mit dem Auto direkt in den Gastraum hinein. Ein fließender Übergang, der uns dabei fast unseres Autos enthebt. Fast, denn so ganz möchte ich mich jetzt doch nicht mehr einlassen, denn: es beginnt gerade eine ordentliche Schlägerei. Die alten Holzstühle und -tische fliegen polternd umher, und alle Männer stürzen sich bärbrummend aufeinander. Doch ehe wir den Ort verlassen können, ist der Wirt herbei geeilt und fragt verwundert, warum wir gleich wieder gehen wollen. Ich erkläre, Schlägereien nicht zu mögen. Das versteht der Wirt überhaupt nicht, hebt erstaunt die Augenbrauen und meint gelassen: „In so einer Kaschemme muss so eine Schlägerei aber mal sein, wenn sich alle gut verstehen.“ — „Ja nee, danke, wirklich nicht.“ Schnell verlasse ich den Laden, gefolgt von dem Älteren.

Und schon sind wir wieder mit dem Auto unterwegs. In Richtung Stadtzentrum. Und während ich noch enttäuscht und fast rechtfertigend berichte, wie schön, besinnlich und gemütlich es in der Kaschemme noch vor wenigen Stunden war – sonst müsste man sich ja auch fragen, was ich an so verrufenen Orten treibe – da zieht bereits etwas Sonderbares auf dem Gehsteig alle Aufmerksamkeit auf sich: Eine Frau – gepflegt, dunkle Haare bis zu den Schultern, sehr schlank, bekleidet mit einem Geschäftsanzug aus mausgrauem Flanell – besteigt gerade ein Fahrrad. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit und es ist auch für einen uninformierten Betrachter zu erkennen, dass sie leicht gehbehindert ist. Dass sie sich überhaupt das Radfahren zutraut … ist doch etwas erstaunlich, so überlege ich. Um so überraschter bin ich, als nun französiche Gendarmerie herbeieilt. Freundliche Männer mit keulenförmigen Schlagstöcken, die gelassen in der Schlaufe am Gürtel baumeln, weiß wie Eierschale ihre Schutzhelme. Voller Geduld und Fürsorge wendet sich einer der Geschäftsfrau zu, um ihr auf das Rad zu helfen, damit sie die ersten Meter mit seiner Unterstützung fahren kann, bis sie selbst das Gleichgewicht findet. Das finde ich sehr erstaunlich, denn ich hätte eher damit gerechnet, dass man die Frau verwarnt, weil sie durch ihre Unsicherheit den Straßenverkehr behindert oder gar andere Verkehrsteilnehmer damit gefährden könnte. Na, das ist ja ein Ding! Denn nun sehe ich, dass sich hier noch mehr Gehbehinderte tummeln, die alle auf ihre Räder steigen. Alle unterstützt von der Gendarmerie, die offenbar eigens zu diesem Zwecke hergekommen. Sie kümmern sich solange um die unsicheren Frauen, bis alle sicher Radfahren können – trotz ihrer Behinderung! Das klappt sogar – das hätte ich ja nie gedacht.

Traumpfad: Am Vortag Mike gegenüber erwähnt, dass Sol Stein im Buch ‘Über das Schreiben’ das Schreiben mit dem Radfahren (S. 26/27) vergleicht; dass man es ohne Üben nicht lernt. Oder mit anderen Worten: Selbst wenn Radfahren erst mal gelernt hat, so braucht es dennoch Übung, bis man das Radfahren wirklich beherrscht.

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Eine Antwort zu Schlägerei in der Kaschemme

  1. [...] sitze im engen Vorhof einer Kneipe, die von der vorderen Fassade her deutlich an die Kaschemme von gestern erinnert. Allerdings steht diese Kneipe in einer Altstadtgasse; zu beiden Grundstücksseiten mit [...]