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Der braune Elefant und andere Kinder

Traum vom 12. April 2010

Bis eben krabbelte er noch auf meinem Kopfkissen herum; der hasenkleine, dunkelbraune Elefant mit den lustigen Kräuselhaaren, die hier und da aus seiner runzeligen Haut empor wachsen. Moina kniet vor dem Kopfkissen schaut neugierig, wie es weitergeht. Der Elefant sitzt nun neben dem Bett, direkt vor meinem Schreibern und Kladden. Moina und ich überlegen, ob diese Tierart auch mal pinkeln muss. Das wäre nämlich blöd, weil das ginge dann auf den Teppich. Ich schaue immer wieder genau hin, ob sich ein dunkler Fleck unter dem Tier bildet. Da? Nein, doch nicht. Sicherlich hinterließe das auch einen strengen Geruch. Ich selbst würde mich bald daran gewöhnen, aber kämen Gäste, so wäre das sicherlich sehr unangenehm.

Kurze Zeit später verrichte ich meine Arbeiten mit einem Baby auf der linken Schulter. Ein schlafendes Baby, so goldig-knautschig wie von Anne Geddes: Letzteres ist nur insofern von Bedeutung, als dass mir das Baby wie im Schlaf lächelnd erscheint, was ich als Zufriedenheit deute. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie ich zu diesem Baby gekommen bin. Mit einem Male war es da und nun muss ich darauf achten. Ja, so ist das. In der kleinen Küche, die zu einer kleinen Burg gehören könnte – ritterliche Sprossenfenster gewähren Blick hinab in den Hof – sitzt ein Landarbeiter auf der Bank vor den Fenstern, am Küchentisch. Ein dürrer Junge, sonnenbraun, mit sehnigen Gliedern sitzt in dem geöffneten Fenster. Mit einer Handbewegung hole ich ihn zurück in die Küche und drücke meine Sorge aus, wie leicht er doch zu Fall kommen könnte. Der Landarbeiter nickt zustimmend: „Es ist wirklich zu gefährlich.“

Immer mehr Landarbeiter strömen herein. Es wird Zeit, dass ich das Frühstück serviere. Oje, wie viele Brötchen soll ich backen? Werden zehn Brötchen reichen? Wie viele kommen noch?

Ein Blick aus dem Fenster, hinab ins Morgendunkel der Steinkleestraße. Dort staut sich der Verkehr. Vermutlich ist es die alte Rieke, die gerade ungeschickt einparkt und dabei alles blockiert. Ach nein, es ist das Fahrzeug der Sperrmüllabfuhr. Da habe ich mich geirrt. Als ich den Blick wieder ins Innere wende, bemerke ich die kleine Frau, die direkt vor Moina und mir steht. Wir fahren mit einem Bus und die kleine Frau steht direkt vor unseren Füßen, mit dem Rücken an die Lehnen der Sitze vor uns angelehnt. Peinlich, da ich sie nicht bemerkt hatte, bot ich ihr meinen Platz nicht an. Eine wirklich kleine Frau, sehr männlich wirkend in ihrem dunklen Anzug, mit den kurzen Haaren und der zugeknöpften klassischen Bluse. „Bitte, setzen Sie sich!“ sage ich freundlich. „Bei uns ist noch genug Platz.“ — Die Frau setzt sich neben Moina, legt gleich den Arm um sie. Moina nickt mir stolz und stumm zu: „Schau mal, das macht mir nichts!“ Doch sogleich rötet sich ihr Gesicht, die Augen werden glasig, sie zieht die Arme eng vor die Brust und ich merke sofort, dass es ihr unangenehm ist. „Sag es!“ ermuntere ich sie. „Setze Grenzen, wenn Dir etwas nicht gefällt!“ Du darfst es ablehnen, wenn Dich jemand umarmen will.“

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