Home » Traumtagebuch » Wir haben die Wahrheit!

Wir haben die Wahrheit!

Traum vom 12. April 2010

Mike und ich treten an den Tresen im Mühlenhaus. Ziemlich dunkel ist es an der Rezeption des Privathauses. Nur unterschwellig wundere ich mich darüber, dass es hier eine Empfangsdame gibt; messe dem keine weitere Bedeutung bei.

Die Empfangsdame wirkt wach, professionell und kompetent, auch wenn es rundum etwas chaotisch aussieht, weil lauter Schreibarbeiten herum liegen. Unser Erscheinen kommentiert sie mit einer gleichmütigen Mitteilung: „Wir warten, bis die Wahrheit wegen der Kreditkarte herausgekommen ist.“ — Warten? Mich packt die Wut, und während ich sie unterdrücke keife ich der Frau zu: „Wir kennen die Wahrheit schon!“ In meiner Hand halte ich den Brief, in dem die neue Kreditkarte enthalten ist — ich spüre die Kartenränder sehr genau unter meinen Fingerspitzen. Die Frau zeigt keine Reaktion, ich kann meine Wut kaum noch beherrschen, beuge mich über den Tresen und sage aufgebracht: „Wir . haben . schon . die . Wahrheit!“ Ich kann mir nicht erklären, woher diese Wut rührt, verstehe gar nicht, warum ich so aufgebracht reagiere, warum ich so respektlos herumbrülle. Noch weniger verstehe ich allerdings, warum die Frau hinter dem Tresen davon unberührt bleibt. Warum reagiert sie nicht auf mein unhöfliches Verhalten? Warum weist sie mich nicht zurecht? In meiner Kehle schwellen weitere Worte der Ungeduld und des Zorns an – nur mit Mühe kann ich unterbinden „Wir haben die Wahrheit!!!“ zu kreischen. Warum sagt eigentlich Mike nichts dazu? Er könnte meine Aussage doch bekräftigen, und dann ginge es in unserer Angelegenheit gleich weiter?! Aber er steht da im Dreivierteldunkel und schaut fast unbeteiligt hinüber zu der Frau. Worauf warten wir noch?

Ich bin derart aufgebracht, dass ich mich quasi weigere, aufzuwachen, obwohl längst das Wachleben nach mir ruft. So als könne es mich im Traum halten, halte ich mich am Tresen fest, während ich mich hinüber beuge, die Kraft der Wut in der Kehle spüre und mir denke, es müsse doch jeden Moment der Augenblick kommen, da ich mich verständlich machen kann. Kann ich? Eher sieht es so aus, als messe sie meinen Worten keine Bedeutung bei, weil sie es besser weiß, aber noch keine Details erzählen will, ehe es bewiesen ist.
Mit knurrendem Unwillen lasse ich mich in den Wachzustand aufsteigen.

Tags: