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Schustern und Schneidern

Traum vom 19. April 2010

Als ich bemerke, wie dunkel es bereits geworden ist, bekomme ich einen kleinen Schreck. Der helle Sand im Hallenstrand – tatsächlich ein weiter Strand mit Meer in einer Halle – wirkt bereits tiefbraun gefärbt und all die Dinge heben sich kaum noch voneinander ab. Wir müssen unsere Sachen einpacken, duschen und uns auf den Heimweg machen, ehe gar nichts mehr zu erkennen ist. Mike und Moina stehen bereits neben der noch ausgebreiteten Decke, ich springe auf, schnappe mein Badetuch, es fällt runter, ich bücke mich — da versinkt es bereits: ein säuberlich zu einem Viereck zusammengelegtes Frotteetuch, das schneller voll Sand und Wasser ist, als mir lieb. So was Blödes — mit spitzen Fingern ziehe ich es raus — nun habe ich nichts zum Abtrocknen. Keine Zeit, mich lange darüber zu ärgern. “Ich gehe mal duschen” rufe ich Mike zu und bin auch schon weg. Eine lange Treppe die über zwei oder drei Ebenen hinweg hinauf führt. Als ich die Hälfte erreicht habe, kommt mir eine dunkelhäutige Muslima mit ihren drei kleinen Kindern entgegen — sie sind bereits auf dem Heimweg. Hoffentlich bin ich schneller als die Dunkelheit!

Oben angekommen, stürze ich in unser Hotelzimmer. Ah, die Eile wäre gar nicht nötig gewesen! Hier oben ist es noch taghell. Mike wartet bereits auf mich. Einige unserer Utensilien aus der Kulturtasche liegen noch auf einem runden Holztisch. Ich freue mich, denn ich habe im Urlaub geschneidert und geschustert. Ich trage also meine selbstgeschusterten, etwas altmodisch wirkenden Riemenschuhe und dazu meine eigene Hosenkreation: die Hose ist aus einem schwarzen Großvaterhosenstoff gearbeitet, in der Taille hübsch anliegend, um das Bein herum von weichfallender Weite. Sie reicht bis zu den Knöcheln. Der ungewöhnliche Stoff, der leicht chaplineske Stil … nicht wirklich schön, aber ich fühle mich heimisch darin. Mike schaut prüfend und meint freundlich: “Mach mal was Besseres, was Schönes!” — “Okay” sage ich unbeschwert “ich habe ja noch ein paar Tage. Mal sehen, was ich da nähe.“ Mir wird schon was einfallen. Ihm soll es ja auch Spaß machen. Allerdings dringt fern die Frage ins Bewusstsein, wie denn “das Schöne” aussehen könnte? Wer definiert das? Wer will das beurteilen? Mike und ich besprechen noch kurz die bevorstehende Abreise, packen und wollen dann bezahlen gehen. Oki!

Im Laufschritt sause ich die Treppe wieder hinab. Auf halber Höhe kommt mir die Wirtin des Hotels und Besitzerin des Hallenstrandes entgegen. Gerade will ich ihr sagen, dass wir gleich abrechnen kommen, da kommt sie mir zuvor und meint ermunternd: ” Anderthalb Tage Urlaub haben Sie ja noch. Viel Zeit für Unternehmungen und Relaxen!” — “Wir hatten gerade überlegt, zu zahlen” erkläre ich, woraufhin sie aufzählt, welche Personen diese Tage noch anreisen werden. So als könne sie uns damit einen noch längeren Aufenthalt schmackhaft machen. Vor allem denkt sie dabei an Mike, der sich — in ihren Augen – darüber doch freuen dürfte. Ojeoje … ich kenne diese Leute, deren Namen sie nannte, noch von früher. Alles so Hau-druf-und-gute-Laune-Typen schlichten Gemüts. Genau der Menschenschlag, denen Mike am liebsten aus dem Weg geht. Aber das mag ich der Wirtin so ehrlich gar nicht sagen, sonst fühlt sie sich noch angegriffen. Nun ja, anderthalb Tage noch … Insofern hat sie recht. Mir war das gar nicht bewusst, dass wir noch so viel Zeit haben – ich kann also ganz langsam machen.

Traumpfade:
Die Hose erinnert an Zweierlei.
Gegenwart: Die Haremsjeans von Gaultier – gestern vom Zimmermädchen bereitgelegt.
Mit der dunkelhäutigen Muslima traf ich heute bei mir im Treppenhaus zusammen – tatsächlich auf halber Strecke, da ich ihr entgegen gelaufen war.

Vergangenheit: eine solche Hose habe ich mir tatsächlich mal genäht. Vor etwa zwanzig Jahren – damals, als ich das Nähen entdeckte, wurde damit eine kreative Phase eingeleitet. Unter anderem entstand dabei eine dieser im Traum ähnliche Hose. Genau so, wenn auch nicht genau so, wie bei den großen Modeschöpfern, waren auch meine Modelle nicht unbedingt wirklich schön und für den Alltag geeignet. An solche Dinge denkt man im Rausch des Schaffens nicht.

Traumzeit: Das Handtuch spielte bereits gestern eine Nebenrolle; ebenso wie Treppen, und ähnlich dem Hallenstrand ein Schwimmbad.: Predation

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