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Posts tagged ‘Behandlung’

Weißheit

Traum vom 16. Februar 2010

Ich sitze auf dem Fußboden. Hinter mir kniet eine Frau und gibt mir eine angenehme Behandlung. Sie untersucht meinen Körper. Ihre Berührungen sind sanft, flächig und erinnern vage an Massage. Links von uns sitzt eine weitere Frau hinter ihrem Schreibtisch. Sie füllt Schriftstücke aus, schaut immer wieder zu mir, stellt eine Reihe von Fragen, um sich ein Bild von mir zu machen. Da die Frau hinter mir immer wieder mit ihren Händen auf meinen Ohren innehält, verstehe ich nicht so richtig beziehungsweise oft erst verzögert. Sie fasst ihre bisherigen Eindrücke zusammen: „Da Sie gut mit Kindern arbeiten können, sind sie sicher eine weiße Frau!“
Weiße Frau? Hm? Ach so… hm: „Ja, weiße Frau!“ bestätige ich schnell, damit sie mich nicht für dumm hält. „Eine weiße Frau…“ wiederholt sie und schaut wohlwollend zu mir her. Mich irritiert ein wenig, dass ich „weise Frau“ verstanden habe, aber die Hände der anderen Frau liegen ja schon wieder auf meinen Ohren, da kommt es halt nur gedämpft an. Weiße Frau… vielleicht meint sie ‘hellsichtig’! Ich glaube, ich verstehe langsam: sie meint damit ‘Einfühlungsvermögen’?! Es ist wirklich erstaunlich, wie oft mir eine solche Einschätzung begegnet. Ich weise es lieber nicht von der Hand, sonst hält sie mich womöglich für zu blöd, meine Fähigkeiten zu erkennen.

Traum vom 5. Oktober 2009

Am Ende eines öffentlichen Raumes befindet sich die Zahnarztpraxis. Da dieser Bereich von keinen Wänden abgegrenzt wird, schaut man direkt in das Behandlungszimmer. Einzig ein schmales, gut ein Meter hohes Einrichtungsstück – im Gegenlicht nicht genauer zu erkennen – verwehrt ein wenig den Blick.

Toll, außer mir ist noch niemand da und somit werde ich kaum Wartezeit haben. Wenige Minuten später erscheint die Zahnärztin und ruft den ersten Patienten auf. Während der Schritte zu ihr, werde ich von einem zehnjährigen Jungen überholt. Er tritt ein und schließt die imaginäre Tür hinter sich, so dass ich keine Gelegenheit habe, meinen Anspruch auf Vorrang einzufordern. Einen Augenblick lang bin ich sprachlos, dann spüre ich Wut aufsteigen.

Nach über einer Stunde dauert die Behandlung des Jungen immer noch an. Offenbar hat sich die Zahnärztin entschieden, all seine Zähne am heutigen Tag zu richten, alle Mängel heute zu beseitigen. Ungeduldig öffne ich die Tür zum Behandlungszimmer, stecke meinen Kopf rein und frage aufgebracht: „Wann geht es denn endlich weiter?“
Anstelle einer Antwort schreitet ein Mann von links kommend in das Zimmer und teilt allen mit: „Erst einmal bin ich ja noch dran!“

Mir verschlägt es vor Frust und Unmut die Sprache. Ich stelle mich vor den kleinen Stehtisch, mit Blick zum Behandlungszimmer, und putze mir mit einem altertümlichen Zahnbürstenmodell die Zähne. Schrubbe sie kraftvoll – hah, welch gute Basis die Backenzähne dafür bilden – bis mir der Schaum vor dem Mund steht. Es ist ein Akt der Verzweiflung, aus dem Gefühl der Ohnmacht geboren.

Irgendwann bittet mich die Zahnärztin auf den Behandlungsstuhl. Ich liege da, und während sie die Vorbereitungen trifft, schweifen meine Gedanken ab…

Ein Raum wie ein Würfel, ohne Fenster, ohne Beleuchtung, aber dennoch hell genug. Unter der Zimmerdecke hängen, kopfüber und auf allen Vieren, ein Mann und eine Frau. Der Mann bringt gerade eine Einführung in ein Cardio-Workout eher ungewöhnlicher Art. Der Mann macht gerade ‘Mountain Climber’ unter der Zimmerdecke hängend. Die Frau wird einerseits in die verschiedenen Übungen eingewiesen, hat aber gleichzeitig auch die Funktion, dem Mann Halt zu geben. Das wird mir klar, als er Crunches vorführt. Die Frau trägt nämlich an einem Fuß eine Schwimmflosse. Diesen Flossenfuß soll sie, so seine Aufforderung, immer derart an der Zimmerdecke abstellen, dass eine seiner Hände während der Übung darauf stehen kann. Die Gummioberfläche gibt ihm mehr Halt an der Zimmerdecke. Sein Workout ist zackig. Die nächste Übung ist ungewöhnlich und der Mann empfiehlt den Zuschauern, diese dringend anzuwenden:
Die Körper müssen, weiterhin an Händen und Füßen hängend, möglichst nah an die Zimmerdecke gebracht werden. Dann packt er die Frau und dringt mit harten Stößen in sie ein. Dazu erklärt er, von ruckartigem Stöhnen unterbrochen, dass dies eine geniale Übung sei, da es auf diese Weise möglich sei, auch dann zu vögeln, wenn der Raum bis fast zur Zimmerdecke unter Wasser steht, da so die Köpfe immer noch über Wasser bleiben können.
Stimmt! Ich frage mich allerdings, ob man nicht andere Dinge zu tun hat, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht.

Oups, da war ich aber abgedriftet. Langsam kehre ich in die gegenwärtige Situation zurück. Nanu, wo bleibt denn die Zahnärztin? Vermutlich hat mich in die Gegenwart zurückgeholt, dass sie länger nicht mehr an mir arbeitete. Dann sehe ich sie. Zwei Schritte rechts von mir entfernt, sitzt sie auf einer Bank und starrt hinüber in den Raum zu meiner linken Seite. Dorthin, wo ich eben gerade beim Workout zugesehen habe. Gegenwärtig stellt sich dieser Raum als Ausschnitt eines Raumes dar, in dem ich den Flur wiedererkenne, der für fast zwanzig Jahre zu meinen Wohnräumen gehörte. Die Zahnärztin starrt schreckerstarrt dort hinein, so dass auch ich neugierig geworden, tiefer hinschaue.
Der Ex wohnt dort. Wenn er ein Date abgemacht hat, sprayt er Datum und Uhrzeit mit rußiger Farbe an die Wand. Beispielsweise ‘22:12′ manchmal noch darunter den Zeitpunkt des Abschlusses ‘:32′. Er scheint hektisch auf der Suche zu sein, lädt immer mehr Frauen in immer kürzeren Abständen ein. Manchmal ist er derart unter Druck, dass er einfach einen dicken schwarzen Strich an die Wand sprüht. Auch jetzt ist gerade eine Frau eingetroffen, mit der er sich zum ersten Mal verabredet hat. Er stürzt sich wie wild auf diese Frau, die zwar freiwillig gekommen ist, die Situation nun aber doch als übergriffig erlebt, da sie sich seiner harten Griffen kaum erwehren kann. Es ähnelt dann fast einer atemlosen Vergewaltigung.

Diese ganze Sache ist Vergangenheit. Die Zahnärztin aber ist wie in dieser Szenerie gefangen. Einerseits ist sie Frau des Mannes, der sie hier betrügt – sie ist also die Betrogene. Andererseits ist sie die Frau dort, die ihrem Mann und seinen brutalen Griffen ausgeliefert war. Die Zahnärztin realisiert kein bisschen, dass dort eine Art Film aus der Vergangenheit abläuft. Sie schaut, als wäre sie dem Geschehen leibhaftig ausgeliefert.

Erschüttert springe ich zu ihr, packe ihre Schultern und rüttele sie. Sage eindringlich: „Es ist vorbei! Hören Sie? Es ist vorbei!!“
Da weicht die Erstarrung, sie kommt wieder zu sich, in die Gegenwart zurück und setzt bald ihre Behandlung an mir fort.

Ich habe ich mich wieder entspannt, liege im Behandlungsstuhl und meine Gedanken schweifen schon wieder ab. Da ist allerdings etwas, das mir merkwürdig vorkommt und ich richte meine Aufmerksamkeit auf das Jetzt. Die Zahnärztin kniet auf der linken Armlehne, arbeitet an meiner Brust. Ich schaue hin. Mit einem roten Schälmesser rupft sie wie getrieben die Knöpfe von meiner Bluse. Ihr Blick ist starr. Sie ist gar nicht bei Sinnen! Und die schönen Knöpfe!!

„NEIN!!!“rufe ich gequält aus. „Nein, lass es sein! Ich habe gestern erst all diese Knöpfe angenäht!“ So viel Mühe, so viel Zeitaufwand. So viel Geduld war von Nöten. Sie macht hier alles zunichte. Ich bin der Ohnmacht nahe, nicht mehr in der Lage, mich gegen sie zur Wehr zu setzen. Bin wie gelähmt. Still sitzend, spüre ich ein überquellendes Meer von Tränen der Verzweiflung in meiner Brust, die keine Möglichkeit finden, sich auch nur zu einem Bruchteil ihren Weg hinaus zu bahnen.

“Ich habe jetzt nicht mehr die Lufthohheit über meine Phonetik und das Gefühl, dass genau dieser morsche Zahn meine beinerne Seele beherbergt hat!“

Dr. Schein in ‘Zahn der Zeit’ 30. Juni 2009

Traum vom 1. Juli 2009
Bei der Zahnärztin. Auf der Schwelle zwischen Wartezimmer und Behandlungsraum. Hier und dort geschäftiges Treiben. Gleich bin ich an der Reihe. Doch zuvor wird noch ein Mann auf einen Eingriff vorbereitet. Die Zahnärztin bietet ihm ihre Goldkrone an, die sie eigens dafür von ihren Vorderzahn abgezogen hat, damit er während der Wartezeit nicht mit einem entkrönten Vorderzahn herumlaufen muss. Doch der Mann schlägt das freundliche Angebot aus. Eigentlich bin ich nun dran. Doch ein paar junge Menschen drängeln sich an mir vorbei in den Behandlungsraum. Die Zahnärztin hat voll den Überblick und weist sie ab: „Nein, da ist noch eine Patientin vor Ihnen dran!“

Ich soll mich nun auf die Liege legen. Auf das zu einem schmalen Streifen zusammen geschobenene gelbe Frotteehandtuch (das wollte ich kürzlich zum Kieser-Training mitnehmen, aber dann war mir nicht nach Gelb). Zwar versuche ich, mittig darauf zu liegen, aber es ist gar nicht so einfach, denn dieser schmale Frotteestreifen gibt keine stabile Lage; ich kippele immer hin und her. Gar nicht lang, da kann ich wieder aufstehen. Die Zahnärztin reicht nun mir ihre Goldkrone, damit ich diese über den zur Behandlung vorbereiteten und deshalb unansehnlichen Zahn stecken kann – das ist ja nur wegen des Aussehens. Soll ich ihr großzügiges Angebot wirklich annehmen? Ich zögere. Die Zahnärztin ermuntert mich: „Aber ja, ja!“ Zusätzlich übergibt sie mir eine Betäubungspille. Diese lege ich neben den Unterkiefer in die „Backentasche“. Gleich werde ich sicherlich noch eine Flüssigkeit zum Herunterspülen bekommen. Die geliehene Goldkrone habe ich über meinen Vorderzahn gestülpt. Zu blöd! Natürlich hatte ich mit dieser Möglichkeit gerechnet und war deshalb achtsam. Trotzdem flutscht mir beim Schlucken der Pille ebenfalls die Goldkrone in den Rachen. Einige betroffene Augenblicke lang bin ich im Glauben, sie verschluckt zu haben. Oje! Mit großen Augen schaue ich die Zahnärztin an… spüre dann doch die Krone an der Zungenspitze und will sie ihr zurückgeben. Doch das möchte die Zahnärztin nicht. Ich soll die Goldkrone ruhig verwenden, bis diese Behandlung abgeschlossen ist. Das schaut einfach hübscher aus! Okay, ich stecke die Krone also wieder drauf. Wirklich hübsch finde ich das Golddings im Mund allerdings nicht. Aber immerhin besser als mit einem angeschliffenen goldenen Stummelzahn an vorderster Front rumzulaufen. Ganz klar, dass diese Krone nicht passt. Sie sitzt total locker. Inzwischen wirkt die Betäubungspille, die Zunge ist taub, so dass sie nicht mehr für die Kontrolle der Goldkrone geeignet ist.

Ein Blick in den Spiegel zeigt sogar viel Schlimmeres, Unerwartetes: Meine Zunge hängt wie ein großer fleischiger Waschlappen aus dem Mund. Ganz breit, fast bis zum Kinn hinunter. O Goddogodd… so kann ich mich unmöglich im Wartezimmer zeigen!! Die Zunge lässt sich nicht reinziehen; ist völlig taub. So stopfe ich sie in den Mund zurück. Besser gesagt, versuche ich, sie in den Mund zu stopfen, aber sie fluppt mir immer wieder raus. Mit allen zehn Fingerspitzen versuche ich den eigensinnigen Fleischlappen im Mundinnern zu verstauen. Unmöglich! Die Goldkrone ist ja auch locker, fordert Aufmerksamkeit, darf nicht im Schlund verschwinden. Ich fühle mich überfordert, alles gerät außer Kontrolle. So, mit komplett heraushängender Zunge, kann ich mich unmöglich unter die Menschen wagen! Eigentlich sollte ich ja ins Wartezimmer gehen und warten, bis sich die Betäubung vollständig ausgedehnt hat – das ist so etwas wie eine Pupillenerweiterung für das Mundwerk. Wenn es mir gelänge, die Zunge hineinzubringen und schnell die Klappe zu schließen, und wenn ich dann einfach nichts mehr sage…. Ja, wenn es gelänge, doch es gelingt eben nicht!

Traumpfade:
„Ich fühle an der Leerstelle den Tod“ schrieb Dr. Schein. Eine solche Leerstelle ist auch eine Lehrstelle. Immer wieder habe ich gestern daran denken müssen. An meine gezogenen Zähne. Doch vor allem das Stück Brust, das mir im letzten Jahr genommen wurde, eben um dem Tod zu entrinnen.
Der im Traum betroffene Vorderzahn ist jener, der mir bei einer Rangelei in der Schule fast ausgeschlagen wurde und aufgrund seiner Blaufärbung schon in jungen Jahren „gekrönt“ wurde.