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Posts tagged ‘Feuer’

Traum vom 31. August 2010

Sendung. Ein Mann wird vorgestellt: Ein führender Angehöriger eines bisher unentdeckten Stammes. Der Eingeborene trägt ein prachtvolles Kostüm, das ihn von der rückwärtigen Seite bedeckt. Wie ein Tierfell über Arme und Beine hinweg bis zum Boden fällt. Ein Gewand aus Federn und Wollbüscheln. Die feuerroten Federn zeichnen die Form eines Salamanders, eingebettet in das Naturweiß der Wolle. In einer Hand einen geschmückten Schamanenstab haltend, tanzt er stampfend in gebeugter Haltung, dreht sich im Kreis und erzählt all den Menschen, die sich um ihn herum versammelt haben, von der Besonderheit seines Stammes. Sein Volk leidet immer wieder unter sonderbaren Epidemien, so erklärt er. Beispielsweise habe es eine Epidemie gegeben, während der er sich ständig gezwungen sah, möglichst viele Frauen zu schwängern. In der Folge wurden natürlich viele Frauen schwanger, wodurch sich die Epidemie rasch ausbreitete – die Ansteckungsgefahr war einfach so groß. Dann gab es eine Epidemie, die zu immer neuen kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Das sei eine sehr schlimme Epidemie gewesen, denn immer wieder fand er sich in Kämpfe und Streitereien verwickelt. Wie er so von den Epidemien berichtet, kräuselt er beim Erzählen seine Nase, wodurch sich seine hellbraune, wie von Goldstaub schimmernde Haut in lustige Falten legt, die ihn sehr sympathisch erscheinen lassen. Sonderbar… diese Epidemien… wie er das so nennt. Auf mich macht das eher den Eindruck, als sei das ein Phänomen, das auch bei anderen Völkern allgemein bekannt ist: Triebe, die nicht mehr beherrscht werden können. Wenn das jetzt Epidemien sein sollen… Naja, der reich geschmückte Eingeborene ist inzwischen von vielen Menschen umringt, die sich für seine Herkunft interessieren. Vor allem wird er wegen seiner hellbraunen und golden schimmernden Hautfarbe bewundert, und wegen der blonden Haare, die bei einem Dunkelhäutigen nicht zu erwarten wären. Ich erhasche einen Blick auf einen der Ordnungshüter, die seinen Berichten sehr wohlwollend und interessiert zuhören: Ein Mann mit sehr dunkler Haut und einem dicken Bauch, der ganz stramm von einem himmelblauen Oberhemd umspannt wird. Er strahlt den Eingeborenen voller Zuneigung an. Dabei entblößt er eine Reihe makelloser Zähne im Oberkiefer. Wow, wie die glänzen! Dann sehe ich es: er sind goldene Zähne. Auch seine Kollegen haben diese goldenen Zähne, den dicken Bauch im himmelblauen Hemd. Erst jetzt beginne ich zu begreifen: die goldenen Zähne und ihre Bäuche sind ein Zeichen des Wohlstandes, auf den sie alle stolz sind. Und sie freuen sich über die Ankunft dieses ungewöhnlichen Ureinwohners, der ein solch angenehm einnehmendes Wesen hat.

Traum vom 11. August 2010

Von Unklarheit und Unruhe getrieben, renne ich durch die Korridore der kleinen Holzhaussiedlung am Hörenberg. Zwar ist mir ziemlich klar, wo ich die Räume meiner Wohnung finde, habe aber kein Ziel. Es ist Nacht. Ich gehe auf leisen Füßen, damit niemand meine Unruhe bemerkt, die zu erklären mit peinlich wäre, da ich sie nicht begründen kann.

Breit der Korridor, der mehrere Gebäudeteile miteinander verbindet. In den Ecken die Treppen zu den Kellerräumen. Inzwischen hatte Rainer mir verraten, dass er hier im Keller wohnt. Das muss man sich mal vorstellen! Da bloggt man jahrelang zusammen und weiß nicht, dass man im gleichen Haus wohnt! Womöglich bin ich ihm begegnet, ohne es zu wissen? Fremde Gesichter, gab es die? Die Anzahl der Bewohner ist überschaubar und im Augenblick fiele mir keiner ein, dessen Gesicht ich nicht irgendwie hätte zuordnen können. Eigentlich jedoch unwahrscheinlich, dass wir uns nie sahen.

Dann Ankunft in meinem Kreativlager. Ein Raum, in dem ich mich öfter aufhalte. Ich halte inne, lauschend… Ob unter diesem Raum seine Kellerwohnung liegt? Vermutlich. Oje! Bestimmt hat er mich einige Male gehört, wenn ich laut und unbeherrscht wurde, meine Zügellosigkeit, mein wütendes Gebrüll, wenn etwas nicht nach Wunsch lief. Meine ungerechten Vorwürfe… all das, was niemand von mir wissen soll. Wie peinlich… hätte ich gewusst, dass er hier in Hörweite weilt…

Vor meinen Augen eine Szene, wie ich auf einer zierlichen, leicht geschwungenen Brücke stehe, mit der Abendsonne im Rücken, die meinen Schatten weit nach vorne wirft auf das golden leuchtende Getreidefeld. Jetzt könnte ich Fotos von meinem Schatten machen — jetzt, wo die tiefstehende Sonne eine schlanke Silhouette verleiht — und ihm die Aufnahmen schicken.

Später, in der Kellerwohnung, begegne ich Rainer in Begleitung einer intimen Freundin. Sie sprechen leise, brauchen wenig Worte – sie sind so vertraut miteinander, dass sie sich auch ohne Worte verstehen. Es gibt keinen nennenswerten Grund, warum ich die beiden nicht ansprechen sollte. Allerdings will ich der Frau nicht ins Wort fallen, will ihr Miteinander nicht stören, nicht darin eindringen und den daraus womöglich resultierenden Unmut abbekommen. Am besten warte ich einfach ab, bis die beiden ihre Aufmerksamkeit in meine Richtung öffnen. So sitze ich an einem Tisch, zwei Schritte von ihnen entfernt. Nur geschieht nichts. Lange Zeit nicht. Ich warte… Irgendwann – längst fühle ich den Schmerz der Kränkung, das Aufreißen der großen alten Wunde — geht meine Geduld zu Ende. Wenigstens Rainer hätte ja mal ein Wort an mich richten können. Aber er macht den Eindruck, als habe er mich noch nicht einmal bemerkt. Plaudert munter weiter mit dieser Frau mit den dunklen Haaren, die in leichten Wellen ihr interessantes Gesicht umrahmen. Mich packt die Wut, wie die eines waidwunden Tieres in der Falle. Meine Finger spielen immer noch mit dem Henkel der Tasse, aus der ich die ganze Zeit vom Kaffee nippte. Ich mache eine spitze Bemerkung zu Rainer; leise nur, weil meine Stimme in ungeweinten Tränen in der Kehle ertrinkt. Es kommt keine Reaktion. Wenig später mache ich eine weitere Bemerkung – gekränkt und bitter enttäuscht. Wieder verhallen meine Worte ohne Reaktion. Mit einem Mal der starke Impuls, ihm den Kaffee an die Stirn zu schleudern. Mit unzähligen Engelszungen rede ich auf mich ein, so als brauche es nur genug Worte und Sätze ohne Unterbrechung, um den Impuls zu bannen: ‘Eine solche Reaktion ist unangemessen! Tue es nicht, hinterher wird er sich auf immer abwenden! Lass es sein! Du kannst nicht von anderen etwas erwarten, ohne selbst aktiv geworden zu sein! Atme tief durch. Es wäre ungerecht! Ungerechtfertigt! Albern und kindisch! NEIN, TU ES NICHT!!!’ Als die Wut in meinen Kopf steigt, spüre ich ein ansteigendes Brennen im Gesicht bis zu den Haarspitzen, der alte, so vertraute Schmerz durchrast mich. Meine Lippen aufeinander gepresst und völlig gegen meine Überzeugungen muss ich zusehen, wie sich meine Oberarmmuskeln anspannen, der Arm die Tasse hebt… da flatscht schon die Ladung warmer Kaffee an seine Stirn — Volltreffer. … Oh mein Gott, was habe ich getan! Die Wut weicht tiefer Reue und dann der Furcht, ja der Gewissheit, dass er sich endgültig von mir abwenden wird. Das habe ich nun davon: genau das, was ich nicht wollte. Wie megapeinlich, meine Bedürftigkeit auf so unübersehbare Weise demonstriert zu haben. Vor Scham möchte ich versinken. — Voll Ruhe und Gelassenheit teilt er allgemein mit… ja… eigentlich nichts. Mir ist klar, dass ich gehen kann. Gehen sollte. Warte aber doch noch ab. Vielleicht kommt ja ein Wort von ihm. Vielleicht eine kleine Geste, die mir etwas Trost gibt? Nein, nach minutenlangem Abwarten, die ungemütlichen Raum der Sprachlosigkeit und der Trennung schafft, bin ich im Begriff aufzustehen, zu gehen. —— Dann, wie zu neuer Zeit, legen sich seine Fingerspitzen auf die Finger meiner rechten Hand. Eine leichte kurze Berührung. Ein kurzes bejahendes Nicken in meine Richtung und kaum hörbar seine in sich ruhenden Worte: „Es ist gut…“ bringen mich etwas ins Lot.

Fern draußen im Grasland, im Fränkischen. In der feuchten Kühle eines Spätsommermorgens. Rainer, seine Freundin und ich wollen hier grillen. Die beiden stehen jenseits der Schranke des Klingelbahnübergangs (es gibt keine Schienen), ich diesseits. Wie aus den Weiten des Himmels das runde Gitterrost eines Schwenkgrills. Rainer will Rippchen grillen. Alle möglichen Fleischstücke mit Knochen. Sie bereiten den Grill vor, während ich noch überlege, ob ich meine Worte sieben sollte. Traurig und nachdenklich frage ich: „Rainer, soll ich meine Worte durch ein Konvers-Sieb geben? Soll ich?“ Meine Frage gleicht fast einem Flehen um Antwort, um Klarstellung, um Hilfe. Ich weiß doch nicht, wie es richtig ist! Vor meinem inneren Auge gebe ich eine gummiartige Oberfläche in ein feines Drahtsieb, drücke die Ränder mit dem Daumen rund um das Sieb fest – das wäre der Ablauf. Ich bin noch durcheinander. Der abziehende Schmerz, die offene Wunde, Gedankenkreisen, Schamgefühl, der riesige Kloß staubiger Tränen in der Kehle. Ich bringe kein weiteres Wort heraus. Ja, und dazu muss ich feststellen, dass ich noch nicht einmal dafür gesorgt habe, dass ein Tisch für unser Essen bereit steht. Hmmm… nachdenklich schaue ich mich auf dem Wiesenland um, entdecke und schnappe ein ganzes, ziemlich schweres Zaunelement mit planen Latten, lege eine Seite auf die Schranke zwischen uns, das andere Ende auf einen alten wackeligen Küchenstuhl, der auf meiner Seite steht. Voller Freude erkenne ich, dass die so entstandene Oberfläche völlig plan liegt. Ja, das Zaunelement bildet eine Brücke zwischen Schranke und Stuhl, wodurch die Beschränkung selbst unter den Tisch fällt und wir alle zusammen an einem Tisch sitzen können. Rainer hält mir bereits einen Teller mit gerösteten Grillgut entgegen, in der anderen Hand eine leicht fettglänzende mit krustigen Gewürzkürmeln überzogene Grillzange haltend. Vielleicht kehren jetzt doch noch Freude und Miteinander ein.

Traumpfad: Eine Schranke am Bahnübergang…  …das Zaunelement, von Stuhl und Schranke als Tischplatte getragen wäre also auch in dem Sinne als Übergangslösung zu betrachten.

Traum vom 10. Juli 2010

Noch immer Aufenthalt in einer Wüstenstadt am Meer. Sandfarben, alles. Es ist heiß, die Luft trocken und doch schwer. Ich würde gerne noch weiter gehen, die Erkundung der Stadt ausdehnen, träge die Gegebenheiten erkunden. Rechts Meer. Es zieht mich geradeaus nach links – dort würde ich gerne schauen, ob ich alte Schreibfedern finde! Ich habe welche unterschiedlichster Art vor Augen. Doch bin ich in Begleitung und es gibt andere Ziele, die auch für andere interessant sind.

Ein letztes Mal, ein letzter Blick den breiten Fahrweg entlang zu den herrschaftlichen Häusern der stillen Stadt. Vielleicht noch einmal zum Meer? Als ich in den kleinen Querweg zum Strand einbiege, treffe ich auf eine Mitreisende und auf einen Elch. Na, ich hatte völlig vergessen, dass es in der Wüste Elche gibt. Was für ein goldiges Tier! Ich will gleich ein Foto davon machen. Neugierig kommt der Elch auf mich zu, mit großen Augen. Was für ein schönes Tier; sein Fell hat die Farbe von weißem Sand. Und sein Geweih so weich wie aus schwarzem Filz; so auch seine drollige Stupsnase. Ich kann den ganzen Elch kaum fassen, so nahe kommt er. Immer nur ein Teil von ihm ist auf dem Bild. Ja, an diesem Ort gäbe es noch viel zu sehen. Leises Bedauern.

Ich lenke das Auto mit den „Mädels“ in die Stadt, die der Wüstenstadt entgegen liegt. Wir kommen an und verbringen gut gelaunt schöne Stunden im Hotel. Allerdings geht es einer von uns, nämlich Kristin, ziemlich schlecht. Sie muss heftig kotzen. Wir übrigen Mädels unterhalten uns über die Tatsache, dass uns drei Toiletten zur Verfügung stehen. Ahnungsvoll springe ich auf, um mir einen Eindruck vom gegenwärtigen Zustand dieser zu verschaffen. Ach du liebe Zeit! Die mittlere Toilette ist völlig blockiert. Kristin hat ihre rosaroten Federbetten zum Aufwischen des Erbrochenen genommen und dieses anschließend ins Klo gestopft. Dazu noch einen Berg zusammengeknüllter Papiertücher. Da geht gar nichts mehr! Auch die anderen beiden Toiletten sind in Mitleidenschaft gezogen, funktionieren aber noch. Na, das soll Kristin mal allein in Ordnung bringen! Es ist ja klar, dass bei dieser Hitze so viel Alkohol … naaaja! Zurück zu den anderen Mädels. Inzwischen sind einige Jungs hinzu gekommen. Einer von ihnen lässt mich kaum aus den Augen, nutzt jede Gelegenheit, mir zuzulächeln. Die anderen Mädels wundert das. Er erklärt: „Ja, mein Freund hat echtes Interesse an ihr. Ganz im Ernst: sie gefällt ihm total gut!“ — Oh, das freut mich; zumal mit zunehmendem Alter solche Situationen seltener werden.

Später, am Abend, im Foyer. Sabine läuft hier schon länger rum. Eine dicke Säule steht mitten im Raum, behindert ein wenig die Sicht. Ich erkenne aber, dass Sabine sich zu Rainer setzte – dass er auch hier ist, hatte ich überhaupt nicht erwartet – und sich für den heutigen Abend mit ihm verabredet. Trägt er Weiß? Ich habe so sehr schwarze Kleidung erwartet, dass ich das Weiß nicht erkennen kann oder dass es eh eine optische Täuschung ist, weil ich nicht richtig hinsehe. Das irritiert mich etwas. Während ich in einer dunklen Nische irgendwelche Sachen ordne, höre ich Rainer erzählen, dass er zur Veranstaltung am Abend eine liebe Freundin in Begleitung habe: Black Suzie. Ja, dass ihm die feurigen Spanierinnen eh am meisten zusagen. Gleich darauf erklingt eine kurze Gesangseinlage von Black Suzie. Eine kraftvolle dunkle Stimme, soulig. Wow, wirlich toll, so gebe ich neidisch vor mir zu. Ich fühle mich bleicher als je zuvor.

Rainer ist fort und ich trete zu Sabine. Lockerflockig berichtet sie, Rainer habe erzählt, er habe uns bereits bei unserer Ankunft gesehen. Ach du liebe Zeit! Nach der langen Reise sah ich ziemlich zerknautscht aus. Außerdem hatte ich schlechte Laune, als ich die Koffer durch die Hitze des Tages zum Fahrstuhl trug. Mürrischer Gesichtsausdruck – na, tolle Wurst, so ein erster Eindruck. Schrecklich, am liebsten würde ich unsichtbar werden. Da kann ich ihm heute Abend nur aus dem Weg gehen, damit ich nicht in die unangenehme Situation komme, von ihm abgewiesen zu werden. Oje. Sabine erzählt vergnügt weiter, er habe sie gefragt, ob sie im gleichen Alter wie ich sei. „Stell dir vor, da habe ich zugestimmt! Ich habe nicht gesagt, dass ich zehn Jahre älter bin“ ergänzt Sabine lachend. Und: „Du bist mir deswegen doch nicht böse?!“ – Nö, bin ich nicht. Ist ja eh schon alles egal.

In einem abgelegenen Nebenkorridor finde ich mich wieder. Komme gerade zu Bewusstsein und stelle bestürzt fest, dass ich Moina während der unbewussten Zeit die Haare geschnitten habe. Ja, ich habe fast ihren ganzen Kopf kahl geschoren. Oje, die schönen langen Haare! Das ist ja furchtbar! Meine zur Schale geformte Hand gleitet über den samtig glatten Kopf. Nur ein schmaler Haarstreifen am Hinterkopf – der sehr an eine Schamhaarfrisur erinnert - und eine ausgedünnte Strähne sind geblieben. Allen Mut zusammennehmend erkläre ich Moina, was ich getan habe. „Macht nix, schneide doch den Rest auch noch ab!“ meint sie locker. — „Alles abschneiden?“ — „Na klar!“ — Erstaunlich, mit welchem Gleichmut sie solch drastische Veränderungen hinnimmt…