Traum vom 17. Juni 2010
Mir kommt eine Idee. ich sehe es gleich in Aktion: Vor nichtssagend grauem Hintergrund, im Vierfüsslerstand, nackt, ganz bleiche Haut, den Kopf still erhoben, schaue ich nach vorn. Wie eine Hündin, die gerade nichts zu tun hat, außer entspannt zu schauen. Ein schlaffes Blatt dunkelgrünen Unkrauts (Löwenzahn?) habe ich an einem Ende befeuchtet und an meinen Bauch geheftet. Irgendwo am Bauch, einfach so. Dort hängt das Blatt nun also herab. Das ist die Idee: ich könnte dieses Blatt an allen möglichen, vor allem nichtssagenden Stellen des Körpers anheften und dann jeweils ein Foto davon machen. Dieses dunkle kraftlose Blatt in all meiner Farblosigkeit. Immer in Vierfüsslerstand. Ich darf nur den Kopf nicht hängen lassen, denn – so sehe ich es bildhaft vor mir – dann weist die Schädeldecke abwärts und die Erdanziehung verformte den Kopf alienhaft eierförmig, tropfenförmig zerfließend am Scheitelpunkt. Das sähe dann doch ziemlich unattraktiv aus. Okay, also doch lieber Action? Ich trotte langsam im Hundeschritt voran, achte auf die Oberschenkel, dass die nicht zu sehr wackeln. Lieber langsamer machen. Und dann müsste ich es noch irgendwie hinbekommen, ein Foto davon zu machen. Am besten wäre wohl, ich hielte die Cam mit ausgestrecktem Arm, am Boden aufgestützt, so dass es eine Aufnahme aus Froschperspektive ergibt. Eine kleine Herausforderung. Bin schon gespannt, ob diese kleine Serie gelingt.
Traum vom 15. Mai 2010
Auf einem kleinen Fest oder so etwas wie einem Verwandtentreffen. Ich suche gerade nach einem günstigen Standpunkt, um ein Foto von zwei Personen zu machen. Eine Angelegenheit, die mehr auf Wunsch von anderen Teilnehmern geschieht, weniger weil es mir ein Bedürfnis wäre. Erst beim Blick auf das Display bemerke ich die tief stehende Sonne, die alles in ein unfassbar goldenes Licht taucht – fließend wie flüssiger Sirup. Direkt vor Augen gibt es dennoch fast keine Blendung. Das ist so fantastisch, dass ich die beiden Personen weiter zum Rand rücken lasse, damit die Sonne auf das Bild kommt. War die Aufnahme der beiden Personen eh schon nicht von nennenswertem Interesse, so verkommen sie nun zu Randfiguren, denen ich kaum noch Aufmerksamkeit schenke, ohne dass es mir deutlich ins Bewusstsein dränge. Ich achte jedoch darauf, dass alles auf das Bild kommt – hm, Hoch- oder Querformat? Ich probiere unentschlossen … Während ich noch überlege, läuft mir eine Person in das Bild; direkt vor die Nase und vor die Sonne: ein verwischender Schattenriss mit goldener Korona. Ich hatte genau in diesem Augenblick den Auslöser gedrückt. Ist zwar blöd, aber das Ergebnis gefällt mir trotzdem: Das Schwarz verwischt sich mit warmem Ocker und einem wunderbarem Altrot in einer Weise, dass die Farben wie von einem hintergründigen Licht zum Leuchten gebracht sind. Trotzdem … gleich wird die Sonne untergehen und ich würde doch noch zu gerne eine Aufnahme davon machen.
Traum vom 23. April 2010
Gemeinsam mit dem Älteren und seinem längst verstorbenen Freund unterwegs im tiefen Wald. Ein breiter Wirtschaftsweg, gesäumt von gefällten Bäumen. Da, ein Wurzelwerk, das bis über unsere Köpfe hinauf reicht. Darin hängt eine alte Eisenlaterne. So archaisch anmutend, dass ich sofort ein Foto davon machen will. Dieses brauneiserne Lampengestell mit den grünen Abriebstellen. In der Mitte ein Glas für das Licht, schützend ummantelt von einem gewundenen Metallgitterkorb. Der Ältere greift die Laterne, hält sie fest, mir entgegen, ein Hin- und Herbaumeln unterbindend. Und wie ich durch den Sucher schaue, changiert die Laterne zu einem riesigen Maschinenteil, so vertrackt, dass ich weder Funktion noch Nutzen zu erkennen vermag. Wird größer und größer, die schwermetallene Greifschaufel mit weit aufgerissenem Schlund. Mitten im Schlund das gitterumantelte Getriebelicht. Der Ältere lässt die Laterne los. In Zeitlupe kommt sie wie eine Abrissbirne auf mich zu. Gleich … gleich … Jetzt! Das Motiv ist erfasst! Das Getriebelicht anpeilend, drücke ich auf den Auslöser. Gleich hat mich das mördergroße Teil erreicht. Zeit, ein paar Schritte zurückzuweichen.