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Posts tagged ‘Käpt’n’

Party

Traumfragmente vom 9. Februar 2010 - bunt durcheinander gepurzelt…

Mehndi

Mike, Moina und ich stehen im Wohnraum, die Wände ringsum mit Fenstern, die ungehindert Einblick gewähren. Wir haben den Wohnraum in ein Bad umfunktioniert. Wobei ich noch nicht richtig verstehen kann, wie wir auf diese Idee gekommen sind. So wirklich praktisch und gemütlich ist es nicht – von allen Seiten kann man hereinschauen – und dafür haben wir einen Wohnraum geopfert? Aber wir wollen uns die Lebensfreude davon nicht nehmen lassen.

Sorgenvolle Gedanken wegen der letzten Diagnose anlässlich Moinas Zahnarztbesuch: sie hat in beiden Augen ’schadhafte Schmerzen’. Nun wird mir auch klar, warum sie ihre Augäpfel nur so selten berührt – das war ja eh ungewöhnlich. Eine Nachbehandlung ist unbedingt erforderlich, aber auch vielversprechend. Will heißen, wenn alles glatt läuft, ist es heilbar.

Wir wohnen etwas unverwurzelt in der Sigmund-Freud-Straße, nahe dem Erdhügel. Ich schaue hinaus, sehe Moina, die sich zum ersten Mal allein auf den Weg zur Schule macht. Auf halber Höhe bleibt sie plötzlich stehen und bricht nahe einem Transformator fast zusammen. Sternenförmig laufen ihre Klassenkameraden auf sie zu, trösten und halten sie in den Armen bis Moina ihren Weg fortsetzt. Unser Haus ist heute voller Kinder, da wir sie eingeladen haben. Da Vinci ist auch gekommen. Als ich einen Blick von flacher Empore werfe, sehe ich ihn unter mir stehen. Ich habe den Telefonhörer am Ohr, möchte einen Termin beim Zahnarzt machen. Bei diesem Lärm kann ich die Sprechstundenhilfe kaum verstehen. Sie kann mir keinen Termin nennen, ich soll später anrufen – bis 19 Uhr.

Dann trifft der Käpt’n ein. Das Kindervergnügen mündet direkt in ein gemütliches Beisammensein mit allerhand Menschen, die ich zu kennen scheine. Boah, das ist ein Tohuwabohu hier! Als ich mich dann zum Käpt’n an den Tisch setze – wir sitzen über Eck in schummerigem Licht – wird es etwas ruhiger. Ich ziehe einen Adventskalender hervor – ein Überbleibsel von Weihnachten – schüttele diesen ein wenig, lausche mit schräg gelegtem Kopf. Ein leises, helles Ringeling! Dann das Rütteln von Schokostückchen an Pappe. Da wollen wir doch mal schauen… Ich öffne ein Türchen, nehme ein Schokoladenglöckchen heraus und wir kosten. Ich amüsiere mich, lache über die schlechte Qualität der Schokolade. Der Käpt’n zeigt kaum Reaktion, spricht kein Wort, sondern schaut meinem Tun recht unberührt zu. Vielleicht liegt es am Gejohle der Kinder… ich fühle mich etwas wirr und zerstreut. Gleichzeitig neigt mein Oberkörper immer wieder dem Käpt’n zu – es ist wie ein Wegnicken, bei dem man dann erschrickt und sich wieder aufrichtet. Immer wieder zieht es meinen Kopf an seine Brust. Dieses körperliche Zuneigen irritiert mich ein wenig, da es unwillentlich geschieht. Mag auch am kuscheligen Licht liegen, an der Schokolade und was weiß ich. Ich erzähle ihm dann, dass die Kinder eingeladen sind, es deshalb so laut ist und so fort.

Es ist Zeit, mich um den nächsten Zahnarzttermin zu kümmer. Rufe also erneut an, und gehe währenddessen in die Küche der Älteren. Am anderen Ende der Leitung ebenfalls ein Durcheinander, im Hintergrund die Geräusche eines Zahnarztbohrers. Ah okay, offenbar sind die Künstlerfreunde immer noch in der Praxis. Versuche ich es halt später noch einmal.

Zurück am Frankfurter Tisch. Der Käpt’n sitzt am gleichen Platz wie zu Anfang. Ich nehme am anderen Kopfende Platz. Auch Kornelius ist nun eingetroffen. Er trägt einen Trenchcoat in dunklem Beige, sein Gesicht zeugt von schlechter Laune, er wirkt gehetzt und legt wohl nicht viel Wert darauf, hier Platz zu nehmen. Er eilt in meine Richtung. In seiner Hand hält er ein Geschenk. Alle sagen dann, ich solle Kornelius`Glückwunsche unbedingt annehmen! Das sei wichtig, denn: „Es ist das letzte Mal!“ Schon halte ich das Geschenk in den Händen, ohne das Kornelius und ich erkennbar in Kontakt gekommen wäre. Er wendet sich schon wieder ab. Ich schüttele das Geschenk… Es wird, dem Format nach, eine CD sein und, so wie es sich anhört, ist sie zerbrochen? Ich packe es aus: ja, eine CD. Das Cover leinwandgrau mit zwei dunkelblauen Handabdrücken, wie Mehndis. Es gibt noch eine zweite CD, vermutlich ist die andere die zuerst erschienene, aber sie gehört mir nicht. Ja, diese Mehndi-CD habe ich schon seit einigen Monaten. Diese nun doppelt zu haben, macht aber nichts. Ich werde sie gerne verschenken. Außerdem habe ich jetzt Lust bekommen, diese Musik zu hören – sie ist sehr angenehm; eine warme Frauenstimme keltischen Ursprungs.

Der Käpt’n schaute die ganze Zeit zwar wach, aber doch unbeteiligt meinem Treiben zu. Kornelius zeigt sich völlig desinteressiert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch Kontakt zum Käpt’n aufnehmen sollte, verspüre allerdings Lust dazu. Na, mal sehen… Ich stehe auf, gehe am Tisch vorbei und hinüber zum Außenbereich. Der Blick des Käpt’n folgt mir, obwohl ihm nichts an einem Gespräch mit mir liegt. Ich gelange auf die Dachterrasse unter dem Abendhimmel. Viele Gäste stehen hier, einige schauen bereits neugierig über die mehrspurige Straße hinweg. Denn dort drüben ist der ‘Biergrund’, und dort kann man tatsächlich einen Blick in die Praxis werfen, durch die Scheiben hindurch. In den dortigen Räumen Partybeleuchtung, vor allem rotes Licht, in dem schemenhaft der Zahnarzt zu erkennen ist, der sich gerade mit einem Bohrer über einen Patienten beugt, der im dunklen Partylicht auf dem Behandlungsstuhl liegt. „Schaut nur!“ rufen einige auf der Dachterrasse „Schaut hinüber zur Praxis! Dort feiern die Künstler immer noch eine Party, der normale Zahnarztbetrieb ist noch nicht wieder aufgenommen!“ Ja, man möchte es fast als Spektakel bezeichnen. Wobei das ja ein Einblick ist, der von der Stimmung der Gäste umher viel ausgelassener wirkt, als es dort wirklich ist.

Traumpfad: Mehndi

Traum vom 30. Dezember 2009 - [Mai]

Ein kleiner Verkaufsraum. Ich stehe in einer Reihe Wartender vor der Kasse. Ein Bekannter steht mir ganz nahe. Direkt am Rücken anschmiegend beugt er seinen Kopf neugierig über meine rechte Schulter hinweg vor, so dass ich ihn direkt sehen kann. Der Bekannte ist Udo Lindenberg, in dem ich meinen Freund, den Käpt’n, erkenne. Sichtlich schnuppernd fragt er mich: „Mmh, was riecht denn hier so gut?“
Amüsiert sage ich: „Es ist das Brot der Dame vor mir!“ Das Mehrkornbrot der Dame liegt in einem Plastikbeutel auf dem Laufband, gleitet langsam zur Kasse. Ich öffne die Packung, breche ein Stückchen Brot ab und reiche es meinem Begleiter zum Kosten. „Mmh, was riecht das gut!“ stellt er erneut fest, und: „Mmh, was schmeckt das gut!“ Neckend ergreife ich eine Strähne seiner langen dunklen Haare und ziehe drei Mal daran, wie an einem Glockenstrang. Sage erneut, dabei leise lachend: „Es ist das Brot der Dame vor mir!!“ und breche ein weiteres Stück vom Brot ab, um es meinem Freund zu reichen. Der wiederholt „Mmh, was riecht das hier gut“, so als habe er überhaupt nicht kapiert, was ich gerade erzählt habe.

Traumpfade:
Nee du, lass ma sein!
Aufrichtigkeit

Traum vom 8. November 2009

Der Zug fährt in gemächlichem Tempo an der Küste entlang. Ich sitze in Fahrtrichtung. Rechts neben mir, am Fenster, sitzt der Käpt’n und schaut entspannt hinaus. Ich schmiege mich an ihn, schaue auch zum Treiben am Meer. Ein Fußballspiel findet dort statt – ganz selbstverständlich im Wasser. Der Meeressaum ist von den Zuschauern gefüllt, die auf Luftmatratzen oder Schwimmnudeln herumtreiben, tauchen oder schwimmen oder einfach nur planschen, während sie das Spiel verfolgen. Warum wird solch ein Spiel nicht auf den Sommer verlegt? Da sind die Temperaturen doch angenehmer als jetzt im kühlen Herbst. Doch offenbar ist das Wasser gar nicht so kalt, denn keiner der Zuschauer wirkt fröstelnd.

Ich kuschele mich wieder genüsslich an den Käpt’n. Mein Blick fällt aber auch auf Valerian, der – mit dem Rücken zu uns – auf dem Platz vor mir sitzt. Was er wohl darüber denkt, dass ich so am Käpt’n hänge? Erst kürzlich erzählte Valerian, wie arrogant er den Käpt’n erlebt habe. Er sei richtig unsympathisch gewesen. Doch ich hatte gleich darauf erwidert, dass ich den Käpt’n als gar nicht arrogant erlebt hätte, sondern vielmehr als feinfühlig oder innerlich abwesend. Naja, ich bin Valerian ja auch zu nichts verpflichtet. So schmiege ich mich noch näher an den Käpt’n, der ganz selbstverständlich seine Hände um meine Handgelenke legt – eine unbewegte Berührung, die ich so interpretiere, dass ihm meine Annäherung nicht unangenehm ist. Nach einer Weile sagt der Käpt’n nachdenklich:“ Ich bin mir nicht sicher, ob deine Gefühle für mich echt und tief sind.“

Vielleicht wird er sich abwenden, wenn ich ihm nichts beweisen kann? Nur mehr als eine ehrliche Antwort kann ich ihm nicht geben: „Meine Gefühle sind echt und so tief, wie sie gehen. Das kann ich behaupten, soweit mir das bewusst ist.“
Das noch Unergründete kann ich ja nicht wissen. Vor meinen Augen nun die Großaufnahme eines Querschnittes, der an Haut oder ähnliches denken lässt. Eine rotebeterote Flüssigkeit rinnt in die Vertiefungen, die wie Zäpfchen mehr oder minder tief gehen. Die Flüssigkeit dehnt sich immer mehr aus, und es ist deutlich zu erkennen, dass diese an manchen Stellen sehr tief reicht, an anderen auch wieder nicht – alle möglichen Tiefen sind zu sehen.

Ich wende mich dem Käpt’n zu, warte auf seine Reaktion auf meine Antwort. Befürchte kurz, er könne nun aufstehen und sich aufgrund meiner nicht weitreichenden Antwort von mir abwenden und gehen. Gedankenverloren öffnet er seine Hände, schaut auf seine Handteller. Eine rotebeterote Flüssigkeit hat sich in den Linien und Furchen seiner Hand verteilt, zeichnet diese deutlich sichtbar nach. An einer Stelle sehe ich ein viereckiges Liniengebilde. Es ist die Farbe der Flüssigkeit, die mir auffällt, da sie dem eben erschienenen inneren Bild gleicht.

Der Käpt’n bleibt offen für meine Zuwendung, signalisiert weiterhin mit unbewegten Berührungen sein Einverständnis. Es ist wie ein Beginn von etwas, von dem niemand weiß, ob etwas oder gar mehr daraus entstehen wird.

Nun: Mittagspause. In einem Bahnhofsrestaurant sitzen der Käpt’n und ich uns an einem mit weißem Damast gedeckten Tisch gegenüber. Rundum ist wenig los. Meine rechte Hand liegt auf dem Tisch. Mit einem Male greift er sie sanft, zieht sie etwas zur Mitte, um unsere beiden Hände dort bequem abzulegen. Oh, da wir beide nicht darauf achteten, landen wir genau in einem mit weicher Butter oder Vanillecreme beschmierten Stück Küchenkrepp. Der Käpt’n nimmt ein weiteres Tuch, um unsere Hände zu reinigen. Dadurch lösen sie sich wieder voneinander und hinterher traue ich mich nicht, meine Hand wieder zur Mitte zu legen. Ist es doch nun mit einer Erwartung verbunden, die – würde sie enttäuscht werden – mein Schamgefühl wachriefe. Vielleicht nahm er meine Hand nur zufällig oder aus Gedankenlosigkeit. Aber schön war es ja auch… Langsam lasse ich meine Hand weiter auf den Tisch gleiten. Da nimmt der Käpt’n sie ganz selbstverständlich und hält sie zärtlich fest.

Eher unmerklich wird es um uns herum trübe. Es ist ein sehr verhangener Tag, der das Licht immer mehr schluckt. Eigentlich müsste ein Gefühl der Bedrückung spürbar werden, aber soweit reicht meine Bewusstheit im Traum nicht.

Der Käpt’n und ich stehen wieder im Zug; ich umarme ihn. Außer uns befindet sich offenbar niemand mehr in den Waggons. Nur das trübe Tageslicht dringt spärlich durch die Fenster. Ein luftgefüllter Plastikzeppelin schwebt herein, über unsere Köpfe hinweg. Aha, das sind wohl Überwachungsgeräte mit eingebauten Kameras?! Da außer uns niemand in den Waggons ist, sollen wir wohl überwacht werden, damit wir kein dummes Zeug machen. Mir egal, ich lasse mir eh nichts zu schulden kommen, also kann man mich ruhig überwachen. Doch es kommen immer mehr dieser Luftobjekte in Zeppelin- oder Delfinform hereingesurrt. Sie streben auf uns zu, bleiben sehr nah und ich erlebe sie rasch als beunruhigend, da sie sich als sehr aufdringlich zeigen. Ein Teil von mir amüsiert sich zwar immer noch, aber langsam wird mir mulmig bei diesen fern- und fremdgesteuerten Flugobjekten. Der Käpt’n zeigt sich völlig gleichmütig, wie schon die ganze Zeit.

Das vorhergehende Ereignis verflüchtigt sich, wir bleiben stehen. Ich bin sehr redselig, erzähle fast ohne Unterlass. Dabei fällt das Wort ‘Grün’ und ich bemerke verwundert, dass sich die Fläche oder der Gegenstand, den ich währenddessen ansah, tatsächlich grün färbt. Verspielt, und neugierig darauf, was wohl geschieht, rufe ich erneut: „Grün!“ Ja, es kommt mir vor, als färbe sich daraufhin eine weitere Fläche, die ich bei diesem Wort ansah, grün. Die Arme um des Käpt’ns Hals gelegt, beginne ich im Kreis zu tanzen, ziehe ihn dabei mit herum und rufe, dabei hüpfend vor Vergnügen: „Grün! Grün! Grün! Grün grün grün! Grüngrüngrün!!“ So dass ich eine jede Fläche, die mir unter die Augen kommt, mit diesem Wort belege, auf dass sie sich verfärbe! Das ist ja fast so etwas wie Zauberei, kommt es mir in den Sinn. Was für ein interessantes Spielzeug. Allerdings – so überlege ich ernsthaft – sind bei dieser trüben Witterung kaum die Farben und Konturen zu erkennen. Da kann man sich leicht etwas vormachen, was gar nicht ist. Vielleicht ist das vermeintlich Grüne nur ein grünstichiges Blau?

Wir wechseln den Standpunkt. Mittlerer Einstieg zur rechten Seite in Fahrtrichtung. Wir fahren gerade in einen Bahnhof ein. Ich sehe einen Kontrolleur, Schaffner oder Zugbegleiter – genau ist es wegen der Spiegelung auf der Glasscheibe nicht zu erkennen – der, obwohl der Zug noch nicht hält, auf das Trittbrett springt. Im ersten Moment bin ich fast froh, denn langsam kam mir dieser leere Zug ein wenig geisterhaft vor. Doch wenn ein Bahnbeamter hinzu steigt, wird es sich wohl um eine reguläre Fahrt handeln! Ich gehe einen Schritt näher an die Tür, der Beamte hängt schon am Haltegriff, die Spiegelung fällt weg und erst jetzt kann ich sein Antlitz besser erkennen, auch wenn es finster wirkt. Sein Gesichtsausdruck ist grimmig und auf Krawall gebürstet. Mit großem Schreck erkenne ich den dicken Schlagstock in seinem Halfter. Seine kräftige Hand ist bereits beim Zugreifen, da die Tür noch nicht entriegelt ist und er sich sofort Zutritt zu verschaffen gedenkt. Geht die Tür nicht von allein auf, so öffnet er sie eben mit Gewalt. Mit einem Male kommt es mir vor, als wolle er uns brutal überwältigen und bekomme Angst.