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Posts tagged ‘Körper’

Traum vom 9. Juni 2010

Nur einen Schritt weiter, diese aparte Frau vor mir! Körperlos, in etwa ein Meter Höhe, betrachte ich sie. Von hinten. Ein zartes Persönchen in schmalem schwarzen Rock und passendem kurzen Jäckchen. Ihre Haare dunkel, nackenlang, schwungvoll und zeitlos. Ich bin ja so gespannt auf ihre Reaktion, wenn sie es endlich bemerkt!

Ich hatte ihr nämlich die feinen Strümpfe gereicht, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Es sind schwarze, nahezu blickdichte Feinstrümpfe aus sehr elastischer Microfaser. Und das Tollste: sie haben hinten eine Naht! Und zwar eine ‘negative’ Naht, die nämlich – aus lockereren Patentmaschen gewirkt — mehr von der hellen Haut durchscheinen lassen, wodurch die Naht viel heller als das restliche Strumpfbein ist. Die Aparte hat diese Naht noch nicht bemerkt und konnte deswegen auch nicht korrigierend auf deren Verlauf einwirken, was zur Folge hat, dass sich diese beiden Nähte völlig willkürlich an ihren Waden hochschlängeln. Was ihrem hübschen Anblick keinen Abbruch tut; im Gegenteil lenkt dies ja gerade den Blick auf ihre wohlgeformten Waden. Nur ganz kurz erfasst mich ein unangenehmes Gefühl bei dem Gedanken, sie könne mir diese Sache krumm nehmen.

Szenenwechsel. In schwarzen Kleidern, so wie die Frau zuvor, gehe ich — mit souveränem Gefühl — am Rande eines großen Beckens entlang. Zur anderen Seite die hohen dunklen Wände eines wohl namhaften Geschäftshauses. Vom Boot aus — das Becken ist nämlich ein breiter Kanal, der die große Halle durchfließt — macht der Rezitator H.B. Fotos von mir. Wohl erst dadurch, dass er mich quasi auf dem Kieker hat, habe ich ein deutliches Gefühl von den Strümpfen am Bein; wie sie sich fest und weich um meine Beine schmiegen. Ich fühle mich gut in Form. Er knipst und knipst, hat dabei vor allem meine Waden im Visier, und ruft mir schließlich in seiner typisch mürrischen Art zu: „Na, da brauche ich wenigstens nicht andere Beine zum Gesicht montieren.“ — Mir kommt zum ersten Mal der Gedanke, dass dies tatsächlich so gehandhabt werden könnte. Ein Frauenkörper im „kleinen Schwarzen“ und schwarzen Strümpfen als Standardvorlage, die man immer dort einsetzen kann, wo der Frauenkörper nicht gut genug gefällt? Soll das also bedeuten, dass er mit meinen Formen zufrieden ist?

Traum vom 29. März 2010

Draußen vor dem blauen Werkstatttor stehe ich, schaue über einen Schulhof, der im trüben Morgenlicht liegt, hinüber zur Turnhalle – dort, wo eigentlich die Opelleuchte auf dem hohen Sockel steht – und schaue dem dortigen Treiben zu. Einige siebzehnjährige Jungs klettern dort auf Klettergerüsten herum, erproben ihre Kraft und Beweglichkeit. Einige von ihnen hangeln in gewiss zehn, wenn nicht sogar fünfzehn Meter Höhe die Sprossen entlang und sie trachten – ich wage kaum zu atmen – danach zu springen. Mein Gott, sie werden sich die Beine brechen oder schlimmer. Zum Glück – wenn auch nicht minder aufregend und beunruhigend – lassen sich die ersten der Jungen dann an einem Metallpfahl zu Boden gleiten. Aus einer solchen Höhe! Oje! Doch sie haben Kraft, verfügen über gute Körperbeherrschung. Meine Anspannung lässt nach, als ich beobachte, dass sie mit überlegten Griffen sich wohldosiert zu Boden bringen.

Das probiere ich auch mal aus. Auf halber Strecke – zwischen Turnhalle und Tankstelle – steht ein gußeiserner Fahnenmast; mit schwarzer Farbe überzogen, einer griechischen Säule nachempfunden. Mit beiden Händen umfasse ich diesen, strecke meine Arme durch, spanne die Schultermuskeln an, hebe beide ausgestreckten Beine seitwärts an, bis mein lang ausgestreckter Körper im rechten Winkel zum Fahnenmast zeigt. Das braucht sehr gute Körperbeherrschung und sehr viel Kraft. Ich gebe alles, spanne die Gesäßmuskeln stark an, denn nur so kann ich den 90° Winkel halten. Meine Oberschenkelmuskulatur fühlt sich stahlhart an, zeichnet sich durch die Haut. Ich trage eine knappes dunkelblaues Turnhöschen und sehe mich den Blicken der jungen Männer ausgesetzt, die inzwischen rundum stehen und mir zuschauen. Keiner sagt etwas, denn so unglaublich kommt es mir selbst vor, dass es so möglich ist. Ich spüre ihre Blicke auf meinen durchtrainierten Oberschenkeln … – wie unangenehm, ich bin viel zu dick!

Traumpfad: So in etwa: Seitliche Klimmzüge
Traumauslöser war sicherlich das: ‘Sexy Chick Workout’ - bei der kriminell Sportlichen entdeckt.

Traum vom 24. März 2010

Mittwochmorgen. Nach unzähligen Wochen, vermutlich sogar Monaten betrete ich zum ersten Mal wieder den Bioladen, in dem ich heute – so wie eigentlich jeden Mittwoch – Dienst habe. Ein Blick in das Lager zeigt: es gibt keine frischen Vorräte – klar, ich war ja auch nicht da, so konnte ich nichts bestellen. Ein paar kümmerliche Reste liegen im Gemüseregal im Verkaufsraum: eine schlappe, dünne Porreestange, ein braunfleckiges Eckchen gummiaartiger Seelerie, ein wabbeliges Möhrchen und ein Büschel harte Petersilie. Da ich mich so viele Wochen nicht um den Bioladen kümmerte, passte sich sogar das Holzregal dem stark verringerten Angebot an und schrumpfte um einen guten Teil seiner Breite. Trotzdem lässt es sich mit den Resten nur lückenhaft bestücken. Oje, mich quält ein schlechtes Gewissen und dann die Chefin… Sie wird längst bemerkt haben, dass ich mittwochs einfach nicht hier war. Vielleicht haben sich sogar Kunden beschwert, nachdem sie vor verschlossener Tür vergeblich warteten. Oje oje, doch heute kann ich auch nicht öffnen – ist ja nichts da, das zu verkaufen wäre.

Ich gehe durch das Dorf und folge schließlich einer gewichtigen Zigeunerin in ein Haus, wo man Nahrungsergänzungsmittel kaufen kann, die in Deutschland eigentlich nicht zugelassen sind. Die Zigeunerin kommt wegen einer sehr ernsten Sache, nämlich wegen ihrem kranken Kind. Die Naturheilfrau stellt sogleich zwei der gewünschten braunen Arzneigläschen – gefüllt mit je 100 ml hellbraunem Algenpulver – auf den Tisch. Die Zigeunerin fragt wegen der Dosierung, woraufhin die Naturheilfrau sogleich zwei Dosierbecher dazulegt: eines für Erwachsene (10 ml) und eines für Kinder (2,5 ml). Die Zigeunerin freut sich sehr über diese aufmerksame Zugabe und fragt nach dem Preis für alles. Höflich nennt die Naturheilfrau einen Gesamtbetrag über 54,40 Euro. Daraufhin pfeffert die Zigeunerin einen 50 Euro Schein auf den Tisch, rafft die Arzneigläser und Dosierhilfen mit ihrem schwarzen Nonnengewand zusammen und ist fast im gleichen Moment aus dem Haus verschwunden. Ich springe vom Stuhl hoch, blase die Wangen aufgeregt auf, um gleich meiner Empörung Ausdruck zu verleihen. Da Vinci – er sitzt schon die ganze Zeit links am Kopfende des Tisches, nur sah ich ihn dort im Halbdunkel nicht – wirft mir einen missbilligenden Blick zu und fragt unfreundlich: „Hast Du nicht gesehen? Sie ist behindert! Ein Auge hing herab, mit dem kann sie nicht sehen.“
„Ja klar, das hatte ich gesehen! Aber das gibt ihr doch nicht das Recht zu betrügen!“
Da Vincis strafender Blick trifft mich; er hält mich für herzlos, unerbittlich und viel zu streng. Das erschreckt mich. Außerdem sehe ich meinen Standpunkt, ja mein Wertesystem beunruhigend in Frage gestellt.
„Hast Du auch gesehen, wie sie in der Früh vor dem verschlossenen Bioladen stand?“ hakt Da Vinci nach.
Davon wusste ich nicht. Oje, der Bioladen… es gibt keine Entschuldigung dafür, dass ich ihn über einen so langen Zeitraum vernachlässigt habe.