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Posts tagged ‘Orientierung’

Traum vom 12. August 2010

Während der letzten Wochen war ich ständig hin und her gereist. Inzwischen habe ich die Übersicht verloren, ob und welche Reisen noch anstehen und wohin diese führen könnten. Ich befinde mich auf einem Schiff – die Form des Decks lässt ein quadratisches Schiff vermuten. Vermutlich wieder ein Kurztrip! Fein. Kaum legt das ungewöhnlich breite Schiff ab, da weist eine Reiseführerin alle Passagiere auf etwas hin: „Bitte beachten Sie, was die vier Schiffsführer gerade tun!“ — Tatsächlich setzen sich die vier Bandmitglieder – richtig, es sind vier Musiker, die das Schiff steuern – auf weit auf dem Deck verteilten Stühlen; völlig entspannt und unbeteiligt schaut jeder in eine andere Richtung. Wie? Keiner von ihnen kümmert sich um das Ziel? Wer lenkt denn jetzt das Schiff? Da bemerke ich, dass neben jedem der Schiffsführer noch ein weiterer, freier Stuhl steht. Soll das bedeuten, die Passagiere sind eingeladen, sich dazu zu setzen und dann ihre Fragen an die Schiffsführer zu richten? Sollen es kluge Fragen sein? Oder gar mögliche Antworten? Ist das hier ein Quiz?? Übernehmen die Männer erst ihren Job, wenn die richtige Frage gestellt und beantwortet wurde? Doch keiner der Mitreisenden setzt sich dazu. Langsam kommt die Vermutung auf, dass das hier der ganz normale Vorgang ist.

Einige Stunden später erfahre ich zufällig – eine Mitreisende fragt die Reiseleiterin just in dem Augenblick, da ich daneben stehe – dass die Reise noch länger dauern wird. Das Ziel liegt irgendwo mitten in Indien. „Etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Tunesien“ informiert die Reiseleiterin. Und ergänzt, dass es sehr heiß sein wird. Dann höre ich etwas davon, dass die Gesamtreisezeit gut 33 Stunden beträgt. Eine Richtung! Mein Gott dreiunddreißig Stunden im Flugzeug, das ist furchtbar. Eine andere Mitreisende erkundigt sich, welches Schuhwerk empfohlen wird. „Na, diese bunten Gummidinger mit dicker Sohle, oder Turnschuhe aus buntem Stoff. Das ist ein ziemlich heißes, katzenbuckeliges Pflaster dort“ erklärt die Reiseleiterin.

Ich hatte mit einigen Tagen Aufenthalt am Ziel gerechnet, erfahre nun, dass es mindestens zehn Tage werden. Habe ich in der Eile das Tamoxifen eingesteckt? Wie viele sind eigentlich auf einem Blister? Zehn? War sicherlich auch schon angebrochen. Das könnte knapp werden. Oje, ich kann mir da keine Großzügigkeit erlauben. Angenommen, ich kann während dieser Tage keine Tablette einnehmen, und angenommen, anschließend fänden sich erneut Krebszellen in meiner Brust, dann würde ich doch diese Reise dafür verantwortlich machen. Ja, ich würde diese Reise verfluchen und mir wünschen, sie gar nicht angetreten zu haben.

Predation

Traum vom 18. April 2010

Auf dem Weg nach Predation

Auf dem Rad unterwegs. Viele Kilometer liegen hinter mir. Auf dem Lenker mein aufgeklapptes Netbook als Orientierungshilfe, denn ich bin auf dem Weg zur Pre…, Pre… hm, irgendeine Straße mit ‘Pre’. Das fällt mir bestimmt gleich wieder ein.

England-Heddernheim ist erreicht und ich werde gleich den Feldweg verlassen, nach rechts in den Wald in die Niddaauen einbiegen. Kurz vorher bemerke ich drei Bekannte am Wegrand, noch etwa fünfzig Meter entfernt. Sie winken mir freudig zu. Hey toll, das sind ja C&C aus Spanien und mein Jugendschwarm Axel! Axel grinst breit. Er sieht mich zum ersten Mal auf einem Rad. Natürlich sitze ich nicht im Sattel, sondern stehe auf den Pedalen, um mit kraftvollem Einsatz voranzukommen. Ich glaube, er schmunzelt amüsiert, weil er mich erst in diesem Alter so jugendlich unterwegs sieht. Aber ein wenig Anerkennung ist auch im Blick. Inzwischen abgebogen, lasse ich das hinter mir.

Am Ende gelange ich endlich in das Einkaufszentrum, das wohl an der Pre…, an der Predationsstraße liegt. Ich betrete es von hinten, durch den Lieferanten- und Personaleingang, oder auch Notausgang. Finde mich im Treppenhaus wieder und gehe auf die Treppe zu. Ach du liebe Zeit, hier gibt es ja mehrere Treppen - alle gleichen Aussehens und in ungewisse Richtungen führend. Ich will ja das Einkaufszentrum nur passieren, um auf diesem Wege ins Stadtzentrum zu gelangen. Nun stelle ich fest, dass das EKZ wie eine Kluft dazwischen liegt. Eine Kluft, die ich hoffentlich überwinden kann. Ich werde mein Rad die Treppen hinauf und hinunter tragen, so das nötig ist. Vielleicht anstrengend, aber ich werde es schaffen. Drei Personen kommen hinzu, können mir aber auch nicht weiterhelfen. So mache ich mich auf, den Weg auszukundschaften.

Medizinischer Bericht

Nun zu Fuß einen langen Korridor entlang. Bohnerwachsglänzendes Linoleum in einem alten Krankenhaus. Einige an der Wand angebrachte, halbrunde Tischchen mit je zwei Stühlen säumen den Gang. Da ich einige Male sah, dass dort jemand mit seinem Netbook saß, halte ich das für eine gängige Vorgehensweise und will es gleich tun, um mir weitere Informationen zu verschaffen. Doch kaum bin ich im Begriff, kommt eine ältliche Schwester herbei und unterbindet das. “Die Tische brauchen wir selbst als Arbeitsplatz” verkündet sie, stellt ihr Netbook ab, klappt eine mit Scharnieren befestigte Tastatur über das eigentliche Tastenfeld und beginnt, wie auf einer Schreibmaschine einen medizinischen Bericht zu tippen. Das heißt, sie gibt den Ortsnamen ‘Predation’ ein. Ah! Das erinnert mich, selbst auf den Weg dorthin zu sein. Ich werde Predation über Google Maps suchen! Vielleicht finde ich einen abgelegenen Korridor zu diesem Zweck.

Intimbereich für Frauen

Nun in einem Hallenbad, folge der Länge des Schwimmbeckens auf der rechten Seite, über dem linken Arm ein Badetuch tragend, schaue alle Türen an, die  es zu entdecken gibt. Zwar weiß ich nicht, wohin ich will, aber wenn das Richtige auf einem der Türschilder stehen sollte, so werde ich es wissen. Einige schwarze Türen…: Umkleide für Frauen, Umkleide für Männer, Toilette, Unerwartetes, Sauna, Solarium, Intimbereich für Frauen … Hm?? Intimbereich? Nanu, was wird sich hinter der Tür verbergen? Hin und her rätselnd, gehe ich den Weg zurück.

Erreiche den Empfangstresen einer kleinen Arztpraxis, der gleichzeitig Teil des Schwimmbad-Eingangsbereich ist. Drei Mitarbeiterinnen arbeiten emsig, laufen hin und her. Zur linken Seite ist ein Sprechzimmer; das Dunkel ist durch die geöffnete Tür zu sehen. Wie ein junges Mädchen springt Mireille Mathieu aus dem Sprechzimmer, stellt sich lächelnd an den Tresen, verabschiedet sich mit ein paar geträllerten Liedzeilen - das mögen die Angestellten gern. Mirelle Mathieu hat sich wirklich kaum verändert; so jung und frisch schaut sie aus. Die schwarzen Strumpfhosen zu dem schmalen Rock …  echt toll, sie hat nicht zugenommen. Auf diesen Gedanken hin mustert mich eine der Mitarbeiterinnen kritisch und meint zu mir: “Sie sind aber zu dick.” Erbost kontere ich: “Es gibt dünne Menschen, die trotzdem schwabbelig sind!” Stimmt ja, habe ich gerade gestern gesehen. Körperliche Inaktivität. Aber das ist auch wurscht, denn …

Das große Geschäft

… ich verspüre mit einem Male eine sehr starken Drang, der mich daran erinnert, dass ich vor wenigen Minuten eine ältere Frau bemerkte, die in die Toilette hinter meinem Rücken gegangen war. Die müsste ja langsam fertig sein. Tatsächlich tritt sie in diesem Augenblick aus der Kabine, ich nehme die Klinke in die Hand. Höchste Zeit! Das große Geschäft hat sich seinen Weg inzwischen gebahnt, nur noch vom Höschen zurückgehalten, steckt es mir wie ein langer Stab zwischen den Beinen. Das Badetuch vor den Schambereich gedrückt, trippele ich gebeugt und unter Hochdruck in die Kabine. Und während ich das Schloss umdrehe, setze ich mich auf die Schüssel und finde köstliche Erleichterung. Gleichzeitig dehnt sich, hinter meinem Rücken — von mir unbemerkt — die winzige Toilettenkabine zu einem großen Geschäftsraum aus: zwei Schreibtische, Aktenschränke und angrenzend eine kleines Büro.

Der plötzliche Impuls, das Unerwartete zu tun

Noch ehe ich mich ankleiden kann, ein Ruckeln an der Tür. Zwar hatte ich an der linken Seite des Türblattes das Schloss verriegelt, aber von der anderen Seite entriegelt nun jemand ein zweites Schloss. Offenbar ist es so, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Wenn der Mann von der anderen Seite rein will, so hat er die Schlüsselgewalt; aber eben nur für seine Seite. Das aber unabhängig davon, ob ich mich verschlossen oder offen zeige. Na, aber der weiß doch, dass ich gerade auf Klo sitze! “Hey hey hey!! Be-se-hetzt!!!” beschwere ich mich laut.  Doch der Mann ignoriert das, öffnet die Tür, rauscht an mir vorbei in den Geschäftsraum und weiter in das Büro — also in das Entjungferungszimmer — um dort einige wichtige Angelegenheiten zu regeln. Das ist ja unerhört, errege ich mich und schimpfe ihm hinterher: “Ihr Verhalten ist unmöglich! Wie können Sie nur! Frechheit!” Und noch einige Sätze, wobei mir dieses aufgebrachte Gefühl und der wortreiche Ausbruch viel Freude bereiten . Man merkt an den hektischen Handgriffen, dass der Mann schnell wieder verschwinden will. Nicht zuletzt deshalb, weil er denkt, dass wir uns eh nicht leiden können. Dazu macht er einige spitze Bemerkungen und weist mich auf meine übertriebene Aufregung hin. Ich solle mich mal nicht so haben. Er ist ziemlich genervt. Doch als er an mir vorbeirauscht, um wieder zu gehen, bin ich mit zwei großen Schritten bei ihm, packe ihn mit Macht an den Schultern, schiebe ihn mit dem Rücken zur Wand, presse meinen Körper gegen seinen, dränge mit den Lippen in seinen Hemdkragen und küsse voller Leidenschaft seine Halsbeuge. Wohl völlig überwältigt, bietet er keinerlei Widerstand. Mmmh … ein ganz wunderbarer Duft entsteigt seiner warmen Haut. Der angenehme Geruch des hochwertigen Anzugstoffs und des Hemdkragends, vermischt mit dem Duft gepflegter Haut ohne störendes Rasierwasser oder anderes künstliches Zeug. Ich komme auf den Geschmack, mag immer mehr und mehr küssen. Nicht lang, da entspannt er sich und erwidert meine Zärtlichkeiten.

Traumpfad:
Bei Google Maps ‘Predation’ eingegeben bringt folgendes Ergebnis: Meinten Sie: Preston, Lancashire, Vereinigtes Königreich

Traum vom 19. März 2010

Etwas hektisch, fast ein wenig getrieben, setze ich mich zu der Reisegruppe in den Bus. Allerdings habe ich nicht vor, mich ihnen anzuschließen, sondern werde meinen eigenen Weg verfolgen. So ziehe ich mein Navi hervor. Es ist drei Mal so breit wie das übliche Format. Ich nehme es hochkant, so habe ich auch immer die drei Tabs im Bild. Das ist praktisch, denn dem Navi fehlt die Eingabemöglichkeit über ein Buchstabenfeld – angestrebte Ziele müssen immer mit einem Finger berührt werden, um sie näher zu zoomen. Ebenso wird eine Grobauswahl über Berührung der Tabs getroffen. Blöd, dass sich kein konkretes Ziel eingeben lässt. Zudem hat das Navi eine blöde Macke: ganz egal, welches Gebiet ich zwecks Betrachtung fixieren will, so rollt es immer beiseite. Die Kontinente fliegen vorbei wie bei einem Glücksspielautomat und bleiben am Ende immer im gleichen Bereich stehen: UdSSR. Mindestens drei Versuche enden so. Verflixt noch mal, das gibt’s doch nicht! Da kommt mir die Idee, einfach ein Ziel in der UdSSR auszuwählen, um wenigstens einem Gebiet näher zu kommen und mich dann einfach von dort aus weiter in die gewünschte Richtung bewegen zu können. Etwas irritierend wäre dann allerdings schon der falsche rote Faden, der mittels markierter Route immer ins Auge fiele und irreleiten könnte. Da ich auf das Problem der Zielfindung fixiert bin, gelangt eine wichtige Tatsache nur am Rande ins Bewusstsein: die UdSSR wurde ja längst aufgelöst. Das irritiert mich unterschwellig, aber ich dränge es als störend aus dem Bewusstsein, ehe ich die Bedeutung für mich erfassen kann. Und: Das ist ja alles zu blöd. Genervt lasse ich das Navi zurück in meine Taschen rutschen und schaue etwas trübsinnig aus dem Fenster.

Im abgelegenen Aufenthaltsraum sitzen zwei Frauen und unterhalten sich angeregt über eine neue Entspannungsmethode, mit deren Theorie sie sich gerade frisch vertraut gemacht haben. So beschreiben sie einander, auf welche Weise sie welche Muskelpartien massiert und rolliert und wie sie die Nervenstränge entspannt habe. Ihre Beschreibungen sind durchdrungen von all den sehr esoterisch klingenden Begriffen, die sich die Erfinderin dieser neuen Enstpannungsmethode eigens dafür ausgedacht hat. Während die Frauen also diese neuen Begriffe verwenden, und mit vielen ‘Aaahs’ und ‘Mmmhs’ die als megamässig spirituell und esoterisch empfundene Entspannung untermalen, merkt man ihnen an, dass sie allein aufgrund dieser ausgefallenen, vermeintlich esoterisch klingenden Begriffe davon ausgehen, diese Entspannungstechnik müsse etwas ganz besonders Tolles, Wirksames, Spirituelles und was weiß ich sein. Ja, und sie gehören zu den ersten, die überhaupt Ahnung davon haben und… so fort. Mir geht dieses ganze Esogedöns tierisch auf die Nerven und ich hätte nicht wenig Lust mit ein paar sarkastischen Bemerkungen ihre Selbstgefälligkeit einstürzen zu lassen. Als sie mich erwartungsvoll anblicken – inzwischen sitze ich bei ihnen am Tisch – schaue ich nur kurz und desinteressiert von meiner Schreibarbeit auf und sage mit einem Abwinken, gelangweilt: „Ich habe Astrologie studiert.“ Damit will ich ausdrücken: Mir ist das alles vertraut; alles alter Wein in neuen Schläuchen.