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Posts tagged ‘Tanz’

Traum vom 22. Mai 2010

Mundwerktröte mit Jadeperlen
Ein Schwarzer — ich will ihn Ismael nennen, da sein Aussehen an einen Ismael erinnert — und ich stehen in einem Turnraum. Ich durchtanze die Länge des Raumes. Immer hin und her, mit kraftvollen, aus der Hüfte schwingenden Schritten. Es bereitet mir ein solches Vergnügen, dass ich ab und an lachend den Kopf in den Nacken werfe. Ismael schaut dem kurz zu, folgt mir dann, greift mich von hinten an den Hüften und tanzt dann im Gleichschritt mir nach. Sein Lachen ist voller Lebensfreude, dunkler Wärme und Herzlichkeit. Er ist begeistert, wie ich es kann. Wir beide haben die gleiche Freude am puren Ausdruck. Erfüllung.

Mit einem Male bemerke ich einen Flashmob, der sich der Seitentür nähert. Etwas beunruhigt mache ich Ismael darauf aufmerksam: „Da kommen Schwarze!“ Da fällt mir ein: „Darf ich ‘Schwarze’ sagen? Ist das politisch korrekt?“ — Er lacht glucksend und sagt: „Ja, mach nur!“ — „Vielleicht ist es die Polizei?“ Doch Ismael meint, ich solle ohne Sorge sein. Der Mob zieht weiter, ohne dass sie eingeschritten wären. Doch gleich darauf sehe ich sie in der offenen Doppeltür zum Turnraum stehen und in unsere Richtung glotzen. Inzwischen habe ich volle Fahrt aufgenommen, durchmesse den Turnraum rennend, hin und her. Dabei lasse ich meine Handflächen an der Zimmerdecke mitlaufen — achte auf volle Deckenhaftung der Hände. Gleichzeitig sollen auch die Füße vollständig abrollen, wegen der Bodenhaftung. Anfangs bin ich begeistert, über mein Tempo, über die Leichtigkeit, mit der es gelingt, völlig problemlos. Doch langsam wird es beschwerlich, denn mir wird bewusst, wie sehr ich mich strecken muss, um beiden Anforderungen — Kontakt mit ‘Oben’ und ‘Unten’ — gerecht zu werden. Mehr und mehr scheint es mir unmöglich, beides zugleich gelingen zu lassen. Fühle innere Zerrissenheit, was ein leichtes Gefühl der Überforderung aufkeimen lässt. Ganz nebenbei habe ich ja auch noch diese Piercing-Tröte im Bereich der Zungenspitze: ein etwa zwei Zentimeter langes Band aus winzigen, dunkelgrünen Jadeperlen mit einem kleinen Mundstück aus Porzellan. Befestigt ist es im Raum der Lücke zwischen den unteren Frontzähnen und der Zungenspitze. Eine winzige Tröte, die allerdings genau umgekehrt funktioniert: Um sie im aufgerollten Zustand zu bewahren, muss durch stetes Hineinblasen etwas Druck ausgeübt werden. Sobald dieser Luftdruck nachlässt, entrollt sich das Perlenband und flutscht zwischen meine Lippen hervor. Natürlich soll das aber niemand sehen! Boden- und Deckenhaftung, und dabei noch die Kontrolle der geradezu eigendynamsichen Tröte fordern mich auf so unterschiedlichen Ebenen zugleich, dass mir die Sinne zu schwinden drohen. Ich merke auch, meine Leistung lässt nun deutlich nach.

Intimtröte und Harndrang
Einen Raum weiter. Es sind einige Bekannte von mir eingetroffen. Sie sind mit vielen Vorbereitungen beschäftigt. Ich widme mich ihnen nicht weiter, da mich zwei Dinge beschäftigen: Harndrang und eine gerade entdeckte Intimtröte. Eine Frau — blonde Haare; ich schätze sie auf etwa vierzig Jahre — ließ diese Intimtröte hier zurück. Ein unauffälliges Teil: winziges Porzellanmundstück, ein kleines Jadeperlenbändchen mit einem hauchfeinen Goldring. Ich nahm die Gelegenheit wahr und halte es nun in der linken Hand verborgen. Die Tatsache, dass man diese Tröte sowohl beim Pinkeln als auch hinterher im Mund trägt, stimmt mich wegen der damit aufkommenden Hygienefragen etwas nachdenklich. Allerdings ist das Perlenband ja stets diesem Luftstrom ausgesetzt, der jeden Urinrest sofort verdunsten lässt, so dass man ja doch ein ziemlich sauberes Stück in den Mund nimmt. Eine Feststellung, die mich beruhigt und einen Entschluss fassen lässt. Ganz sicher bin ich nicht, ob mir das Ding zusteht, aber freiwillig gebe ich das nicht mehr her, dazu habe ich zu viel Gefallen daran gefunden. Da ich eh zur Toilette muss, werde ich es bei der Gelegenheit gleich einsetzen. Ich trete also in den Bretterverschlag am Rande des Raumes, ziehe die Plumpsklotür zu und stecke das Citadel-Vorhängeschloss durch den Riegel. Hm, der Bügel ist so schmal, hoffentlich reicht das zum Verschließen. Inzwischen kommen die Bekannten mit neugierigen Blicken auf die Tür zugestürmt, schauen durch die breiten Ritzen, drängen sich geradezu auf, doch das Schloss rastet rechtzeitig ein. Ich verschwinde in der Tiefe des kleinen Raumes und ziehe den an der Jadetröte hängenden Goldring durch die Klitorisvorhaut, so dass das Mundstück an den Schamlippen liegt. Auch hier muss ich wieder darauf achten, dass die Tröte sich nicht entfaltet und vorwitzig hervorschaut. Auch ist es ungewohnt, es zu tragen. Ich spüre ein sehr feines Ziehen im Unterleib, so ähnlich wie bei einer beginnenden Blasenentzündung. Ein Ziehen, das mich die Luft anhalten lässt und wegen des so ausbleibenden Luftdruckes ja genau dazu führt, dass die Tröte durch die Lippen züngelt. Das heißt, ich sorge sehr bewusst für regelmäßiges Ausatmen. Naja, so ist anfangs das mit den neuen Dingen.

Auf dem Weg zur Zivilisation
Stunden später an anderem Ort. In freier Natur — weit und offen. Wenige Meter vor des Hügels höchstem Punkt steht eine Bretterbude am Wegrand. Davor treffe ich auf Heini Linkshänder. Er bemerkt sofort meine Tröte im Mund – ja, im Moment habe ich nur diese eine zur Verfügung. Heini ist begeistert von der Idee, rennt in die Bretterbude, um sich dort ebenfalls eine Mundtröte zu besorgen. Dann werden wir den Weg gemeinsam fortsetzen und einander trötend ergänzen. Unsere Freude ist groß, wir sind voller Tatendrang. Ein solcher Weg gefällt mir. Doch kurz schleicht sich Sorge ein: werde ich dabei meine Autonomie einbüßen? Dann machen wir uns auf den Weg. Mit unseren Bündeln streben wir auf die Stadt zu, die mir ganz abstrakt erscheint: Zivilisation — und am Ende gar Kultur?

Traumpfad — dazu fällt mir das Video mit dem Busfahrer ein:

G wie Glas

Traum vom 26. März 2010

Ein Gemeinschaftsraum – vielleicht in einer Hütte im Wald. Drinnen ist es recht dunkel, denn einige der Teilnehmer haben ein langes Brett – vielleicht war es mal eine große Pinnwand – vor den Fenstern angebracht. Einige Schritte davon entfernt stehen nebeneinander und schießen auf diese Wand. Projektile sausen durch die Luft und graben sich mit satten Ploffs in das weiche Holz. Diese Projektile sehen aus wie Mini-Habanos: dicke Zigarren mit edel wirkender Banderole, die an den Enden spitz zulaufen; insgesamt ist eine vielleicht gerade mal fünf Zentimeter lang – Mini-Zigarren zum Probieren. Ich sehe zu, dass ich aus dem Schussfeld komme, auch ist es mir dort zu viel unruhig.

Am Ende der Reihe der Schießlustigen endet auch die Reihe von Tischen, die aneinander gestellt sind. Und genau hier treffe ich völlig unerwartet einen alten Klassenkameraden: Detlef! Ich werde von einer solch umfassenden Herzlichkeit geflutet, dass ich mit weit geöffneten Armen auf ihn zustürme, obwohl wir uns nie so nahe waren. Kurz vor dem Körperkontakt halte ich mit forschendem Blick inne…und schließe ihn, nachdem ich mich vergewissert habe, mit kumpelhaften Schwung in die Arme, wiege ihn leise jauchzend, lege die Hände auf die Schulter, strecke die Arme durch, betrachte seinen Gesichtsausdruck aus diesen Abstand und ziehe ihn erneut an mich. Es ist ja nicht zu fassen! „Du bist ja immer noch wie früher!!“ Aus dem Augenwinkel bemerke ich Herrn Books, der einige Vorbereitungen für ein Seminar trifft und dabei amüsiert unserem Wiedersehen zusieht. Unter den Augen von Herrn Books reiße ich mich – schon aus Anstand – zusammen, sonst wirbelte ich Detlef wohl viel schlimmer hin und her. Aber nicht nur deswegen ist Herrn Books Gegenwart von Vorteil, sondern auch, weil mir dadurch diese überbordende Wiedersehensfreude viel mehr bewusst wird, die sonst im Aktionismus untergegangen wäre. Das bewusste Erleben eines so besonderen Gefühls ist sehr wertvoll. Doch gleichzeitig komme ich doch nicht ganz aus mich heraus.

Einige Schritte weiter, mehr im Bereich der anderen Hüttenhälfte, ist es heller und das Tun der Teilnehmer ist fließender als bei den Schützen. Eine der Frauen, die wohl auch die Leitung eines Kurses innehat, tanzt gerade einen Buchstaben, den wir erraten sollen. Ihre Bewegungen folgen langsam und bestimmt einer klaren Linie, die sich so leicht verfolgen lässt. Vor meinen Augen entsteht ein großes ‘G’ aus Sperrholz – der Buchstabenbauch nimmt viel Raum, wogegen der Buchstabenhaken eher flach ausgebildet ist. Dennoch ergibt es einen harmonischen Gesamteindruck. Ich bin sicher und sage laut: „G!“ Doch das ist wohl zu früh oder die Vorführung soll erst einmal zu Ende gebracht werden. Nur wenig später reicht mir die Tänzerin ein flaches Glasschälchen – wie von Flan – damit ich es dem Kind geben kann, das wiederum darin etwas unbestimmt Gegenständliches einsammeln soll.

Mit dem Glasschälchen trete ich hinaus in nächtliches Dunkel. Inzwischen ist das Glas zu einem riesigen, fast viereckigen, leeren Gurkenglas herangewachsen, das ich – nichtsdestotrotz – fast wie ein kostbares Windlicht vor mir her trage. Im ofenwarmen Straßenlampenlicht, das auf eine Einmündung fällt, bleibe ich an der Bordsteinkante stehen und warte ab, bis alle abbiegenden Autos vorbeigefahren sind, damit ich das Glas ungefährdet über die Straße tragen kann. Einer der Autofahrer schaut zu mir her, zollt meinem bedachten Vorgehen sichtlich Anerkennung, und mir liegt nahe zu sagen: Gesten war es ja auch so. Ich stand am Zebrastreifen und keines der mindestens sieben Fahrzeuge hielt an. Auf die Rücksicht anderer darf man einfach nicht vertrauen.

Schließlich komme ich an; erreiche eine kleine Eingangshalle, wo sich die Anreisenden sammeln. Bald trifft auch Wilma ein – es steht wohl ein Familientreffen an – schaut auf das Glas in meiner Hand und verkündet: „Ich habe auch schon ein Geschenk für die Ältere.“ Sie hebt einen recht großen Präsentkarton mit Sichtfenster hoch. Er ist mit Biergläsern in unterschiedlichsten Formaten gefüllt. Alle Gläser haben das gleiche Motiv vorne drauf: ein kitschiges Waldmotiv mit einem altmodischen Spruchband, wie auf Andenken zu finden. Der Anblick hinterlässt ein unwohles Gefühl und ich frage mich betreten, ob man der Älteren damit wirklich eine Freude macht. Schließlich brauchen all die Gläser auch viel Platz und… also, ich wollte so etwas nicht haben! Andererseits wird Wilma sich ja etwas dabei gedacht haben.

Ich durchquere die schmale Eingangshalle und verlasse sie auf der vorderen Seite, trete durch die Haustür hinaus in die stille Nacht. Im Schein einer Außenleuchte neben der Haustür streife ich meine Stiefeletten über die Füße. Zumindest ist das mein Vorhaben, jedoch behindern mich die Socken, die viel zu locker und zu dick, als dass man schnell mal in die Stiefeletten schlüpfen könnte. Meine Hände kann ich nicht zur Hilfe nehmen, denn in der rechten Hand halte ich immer noch das große viereckige Glas und mit der linken Hand halte ich den Telefonhörer ans Ohr, da ich gerade ein Gespräch mit den Älteren führe. Auf einem Fuß balancierend, versuche ich den nur dünn ankommenden Stimmen zu lauschen, und dabei gleichzeitig mit diesen wurschteligen Socken ins Schuhwerk zu gelangen. Mein Gesicht ist vor Konzentration und Anstrengung ziemlich verzerrt. Letzteres wird mir in dem Augenblick bewusst, da die Älteren neben mir stehen; nämllich an ihren beleidigten Gesichtern, weil ich während des Telefonats mit ihnen so das Gesicht verziehe. Ich erkläre: „Es ist ja nur wegen der Anstrengung und wegen der blöden Socken!“ In Anbetracht der Socken sagt der Ältere: „Man kauft sich ja auch nicht so teure Socken!“ Ich verteidige die Socken und erzähle, dass es sehr gute, haltbare Socken sind, die ich schon lange habe. Der Ältere wird zornig, beharrt darauf, dass teure Socken einen übertriebenen Luxus darstellen. In all diesem Durcheinander und zwischen all diesen Missverständnissen entzieht sich meinem Bewusstsein völlig, dass ich ja gar nicht teure Socken trage, sondern diese im Gegenteil sogar recht günstig waren, damals. Ja, ich schnalle nicht, dass diese ganze Debatte eigentlich überflüssig ist.

Gogotänzer

Traum vom 19. Februar 2010

Der Saal ist voller Menschen im mittleren Alter. Zu beiden Seiten vor der Bühne – nahe den Lautsprecherboxen – steht je ein Gogotänzer. Die beiden Männer ähneln einander wie Zwillinge (ähnliches Aussehen wie Christian Anders) – blond, nackte, muskulöse Oberkörper, ihr aufgesetztes Lächeln zeigt die kräftigen und gleichmäßigen Zähne. Sie tanzen zu wummerndem Techno. Ich stehe in einer kleinen Küche, direkt neben der Bühne, sehe zwar nicht die Gäste, aber die beiden Tänzer ganz nah von der Seite. Sie blicken zwar in Richtung Publikum, jedoch ohne den Menschen wirklich in die Gesichter zu schauen. Ihnen macht es sichtlich Spaß, die Menschen zu unterhalten und sie gehen zweifelsohne davon aus, das ihnen ausschließlich Bewunderung zuteil wird. Jedenfalls machen ihre Gesichter diesen Eindruck. Sie sind noch jung, etwa zwanzig Jahre alt, und so sind sie vielleicht wirklich noch ahnungslos.

„Hey!“ rufe ich dem mir näheren Tänzer zu – so, dass es sonst niemand bemerkt – und winke ihn mit auffälligen Armbewegungen her. Als er in Hörweite ist, frage ich ihn: „Du denkst, alle bewundern Dich? Alle finden Deinen Body, die kraftvoll-männlichen Bewegungen toll? Schau mal den Einzelnen genau ins Gesicht…“ Etwas staunend betrachtet er, zum ersten Mal, einzelne Gesichter…
„Und“ frage ich „siehst Du den Neid? Siehst Du, wie lächerlich Dich manch einer findet? Siehst Du, das mancher Dich für überflüssig hält?“ Der Tänzer betrachtet einige Gäste genauer, schaut dann verblüfft zu mir und sagt: „ Ja, das stimmt! Woher weißt Du das?“ „ Das habe ich vom Leben erfahren“ antworte ich mit nüchterner Stimme. Augen offen halten, dann sieht man mehr. Doch genau das, die Augen offen zu halten, ist wohl etwas, das schnell wieder in Vergessenheit gerät. Der Tänzer scheint alles wieder vergessen zu haben, geht wieder ganz in seinem Auftritt auf.